Montag, 25. Juli 2016

Zitat-Plagiat

Lesehilfe: Fahr mit der Maus über die Zeilen...

nun ist das Blätterbraun schon wieder in den Spitzen
ich glaub, ich hab mir übel den Verstand verstaucht
weil es mein Schicksal war, dass ich mich ändere
für die Art, wie mich das ankotzt, gibt's kein Adjektiv

ich bin so traurig heute Nacht
fühl mich wie von innen unrasiert
Grillenfänger, Einhandsegler
Kind auf dünnem Eis

mitten im urbanen Zentrum
verlassen von allen guten Geistern
als einzige Lasche zwischen all den Schnallen
von der Zwergenwelt verschont

ich hab überall blaue Flecken von dir
und du, du lachst dazu
Sonnenzeit, unbeschwert und leicht
zeig keine Schwäche für mich

sicherheitshalber die kleinere Liebe
kühl und flach wie ein Foto
butterstullenplatt
als Umriss aus Kreide auf dem Asphalt

beim Rettungsring dicht daneben gefasst
flieg ich ans Ende der Welt, und über den Rand
und es knisterte und roch
oh, wie ich übermorgen mag

hab gut geschlafen und bin früh schon auf
heute ist der erste Tag danach
die Zeit heilt alle Wunder
der Traum ist aus - er ist Wirklichkeit

hab soeben die Nacht verschenkt
betrunken vom Kitsch und bitter vor Neid
mein Monster beißt nicht, es frisst dich aus der Hand
ein Kleinod dieser Welt

Graffities machen graue Wände lebendig
wenn man sie nicht mehr gebrauchen kann
da war 'ne weite Fläche Zeit
nur noch Narben da, wo Wunder waren

da war ein Schaukeln wie von Pflanzen
weiche Schultern, leichter Gang
so viele Dinge bekommt man erst dann
in der Nacht mit dem Regen

ich brauche jemand, der mir auf die Brille haucht
so könnt' ich laufen, stundenlang
auf hölzernen Planken
Zeit bis zu meiner Beerdigung

die Autos klingen wie Brandung
hab Löcher mit 'ner Lupe in Satin gebrannt
um zu sehen ob die warme Nachtluft mich trägt
und hinterm nächsten Block träum' ich mir das Meer

wenn nicht so, dann eben anders
spät ist manchmal eben doch nicht früh genug
ich kenn den Weg aus dem Labyrinth
was ich bekämpf', ist unsichtbar

© Bellis 2006 (www.Klunkerfisch.de: Lyrikband "My Valentine - Vom Lieben und Sterben")

Dienstag, 5. Juli 2016

Das Juli-Schaufenster im Klunkerfisch-Laden: Sternennächte

Im Juli steht beim Klunkerfisch alles unter dem Motto "Sommerliche Sternennächte".
Inspiriert von der Himmelsscheibe von Nebra habe ich aus einem Gymnastik-Reifen eine stilisierte Himmelsscheibe als Schmuck-Display für das Schaufenster angefertigt.



In die Scheibe habe ich meine handgefertigten Schmuckstücke drapiert - in Nachtblau, Silber, Gold, Weiß und mit vielen nachtleuchtenden Perlen!



Neben dem Reifen hängen zwei runde Acryl-Bilder: Meine Interpretation der Himmelsscheiben-Motive und ein silbriger Vollmond.

Acryl-Bild Himmelsscheibe Acryl-Bild Vollmond

Nach und nach werden die Schmuckstücke nun auch in die Sternenhimmel-Kollektion auf www.Klunkerfisch.de einziehen - regelmäßiges Reinschauen lohnt sich also! :o)

Montag, 4. Juli 2016

Klunkervögel - Dramatische Ereignisse mit einer Amselfamilie im Klunkerfisch-Laden

Über meinem Ladenschild hatte sich ein Amselpaar ein Nest gebaut (das hatte ich ja schon HIER berichtet - und fälschlicherweise angenommen, dass sie wieder ausgezogen waren, weil Frau Amsel so enorm leise brütete). Abgestützt vom Verteilerkasten der Ladenschildbeleuchtung und gut geschützt im Dickicht der Pfeifenwinde brütete Mama Amsel (Mamsel!) drei Eier aus.
Es war schwierig, mit dem Smartphone das Nest zu fotografieren, weil es so gut getarnt in den Kletterpflanzen steckte. Und auf die Leiter wollte ich nicht steigen, um die Vögel nicht zu stören.
Auf dem ersten Bild sieht man Mamsel beim Brüten - es war warm und sie hat gehechelt, die Arme.
Nach wenigen Tagen waren die Jungen ausgeschlüpft - und da ging das Theater los. Mamsel war unentwegt damit beschäftigt, Futter für die Amselinge heranzuschaffen. Papa Amsel hatte sich nämlich aus dem Staub gemacht! Sobald sie ins Nest kam, piepsten und krakeelten die Kleinen los, weil jeder das Meiste davon abkriegen wollte.
Auf dem zweiten Bild sieht man einen Amseling, denn da waren die drei schon so groß, dass sie kaum noch Platz im Nest hatten. Der "Ausflug" stand kurz bevor!


Also brachte ich meine Canon EOS 400 D samt Teleobjektiv mit in den Laden, in der Hoffnung, bessere Fotos vom Nest schießen zu können. Aber das Nest war leer! Ausgeflogen!
Doch woher kam das Piepsen und Tschilpen? Klein-Anselm, der Nachzügler, war offenbar noch nicht so fit, dass er es seiner Mamsel und den Geschwistern hinterher bis aufs Dach geschafft hat. Über die Gasse flattern ging wohl schon, denn er saß gegenüber vom Laden in einem Hauseingang und wurde dort von Mamsel gefüttert. (Klickt auf die Fotos zum Vergrößern.)



Als jemand aus der Haustür kam, fühlte sich Anselm gestört, flatterte über die Gasse - und hinein in meinen Laden!! 😱 Mamsel suchte ganz verdutzt nach ihm, als sie das nächste Mal mit einer Beere im Schnabel kam, fand ihn natürlich wegen seines lauten Piepsens und kam ebenfalls hereingeflogen. Schaut euch das Video an!


Freilich haben sie den Weg zurück nach draußen gefunden. Danach saß der kleine Dicke immer mal woanders in der Kuhgasse: Entweder neben mir in der Kletterpflanze oder unter der Ladenbank im Kellerfenster, dann wieder ein Stück weiter weg in einem anderen Fenster...
Anselm kreischte mittlerweile sehr laut und hungrig, weil Mamsel sich (absichtlich!) verspätete, und flatterte immer ein Stückchen weiter in Richtung Hauptstraße, der Mamsel entgegen, die meist von dort mit Futter einflog.
Das besorgte mich, denn auf der Hauptstraße fahren Autos und Straßenbahnen.
Und dann dachte ich, mein Herz bleibt stehen! Da flog doch Anselm plötzlich seiner ihn lockenden Mamsel über die Hauptstraße hinterher, schaffte es nicht und landete auf den Schienen! Und eine Straßenbahn kam! Ich hab geschrien und bin gerannt - und hab dann gecheckt, dass die Tram aus der Gegenrichtung kam! Anselm saß wie festgefroren im Gleis und wartete, dass das Donnern vorbeifuhr. Dann flatterte er wieder zur Kuhgasse zurück, der kleine Dumme. Ich hatte mich schon mit einem Karton bewaffnet (weil anfassen geht ja nicht), um ihn rüberzutragen. Aber da kam Mamsel ganz tief angeflogen und Anselm sauste hinterher und über die Hauptstraße! Geschafft!
Mach's gut, kleiner Amseling! Üb fleißig weiter fliegen! Und komm mal vorbei und sing mir was!