Montag, 30. Mai 2016

Vorbereitung auf den Händel-Schaufenster-Wettbewerb 2016

Letztes Jahr habe ich den Schaufenster-Wettbewerb, der alljährlich im Rahmen der Händel-Festspiele in Halle (Saale) ausgerufen wird, gewonnen.
Das ist natürlich in diesem Jahr eine enorme Herausforderung für mich - ich habe große Lust, wieder den ersten Preis abzuräumen! ;o)

Das diesjährige Thema lautet: Händel - Geschichte, Mythos, Aufklärung.
Für den Begriff Mythos könnte man auch „Mythologie“ (wie römische, griechische Mythologie) verwenden. Händel hat in seinen Opern zahlreiche antike und zeitgenössische Legenden verarbeitet. Georg Friedrich Händel hat in der Epoche der Aufklärung gelebt. Die Epoche machte vor allem mit ihrem großen Ereignis der „Französischen Revolution“ im Jahre 1789 Furore. Deren Leitspruch „Freiheit, Gleichheit Brüderlichkeit“ findet ihre Wurzeln in den Ideen, Projekten und Lebensweisen des ganzen 18. Jahrhunderts. Händel schrieb mit dem Erschaffen seiner musikalischen Kunstwerke Musikgeschichte und hat sich bis heute als historische Person im kulturellen Gedächtnis eingeprägt.

Da zur Musikgeschichte und zum Leben Händels viele schlaue Leute schon vieles recherchiert und publiziert haben und die Gestaltung des Schaufensters mit Noten und Händel-Porträts eher ... hm ... üblich gewesen wäre - und da Händel mit der Idee der Aufklärung nicht soooo viel am Hut hatte, konzentrierte ich mich bei diesem Thema auf den Aspekt Mythos.

"In" waren im Barock besonders die Opern - dabei wurde aber immer wieder die Forderung nach Natürlichkeit des Vortrags erhoben, was aber gar nicht so einfach umzusetzen war - ein gesungener Monolog / Dialog wirkt doch eher künstlich. Die Komponisten der Opern versuchten deshalb, dieser Forderung dadurch nachzukommen dass sie die Handlung in das mythische Arkadien verlegten, dem imaginären Ort der Hirten und Sänger, wo nicht nur die Poesie beheimatet, sondern auch der Gesang das natürliche Ausdrucksmittel war. Sowohl in Händel‘s „Acis and Galatea” wie auch in Rameau‘s „Hippolyte et Aricie” treffen wir also mythologische Figuren, wie Nymphen und Zyklopen, Pan und Neptun an - und damit in den barocken Bühnenbildern auch Symbole der mythischen Handlungsorte, wie Wälder und Wolken, Muschelgrotten und das Meer.
Außerdem ist es wahrscheinlich, dass mit der Verbreitung der Barock-Oper anstelle des bis dato verwendeten schlichten Souffleur-Kastens nun eine große, oft vergoldete Muschel in Mode kam. Die Soffleur-Muschel versteckte den «Einflüsterer», der den Interpreten bei einem Text-Hänger half, diskret und dennoch dekorativ auf der Bühne.


So entwickelte sich bei mir die Idee, in meinem Schaufenster eine Muschelgrotte / eine Souffleur-Muschel zu gestalten.
Denn in Muscheln entwickeln sich Perlen und das Wort "barock" entstammt der portugiesischen Sprache, in der unregelmäßig geformte Perlen als barroco bezeichnet wurden, das heißt „ungleichmäßig“ oder „schief“. Perlen wurden deshalb häufig für die pompösen und schillernden Schmuckstücke des Barock verwendet.
Und auch Muschel-Ornamente waren im Barock ein oft und üppig gebrauchtes Zierelement. Ursprünglich war die Muschel das christliche Symbol der göttlichen Empfängnis: Maria (die Muschel) empfängt Jesus (die Perle) durch den Heiligen Geist. Im Barock galt die Muschel allgemein als Symbol für den Empfang der göttlichen Gnade.

Der Plan stand - eine nicht mehr gebrauchte Sandkasten-Muschel war schnell organisiert und wurde weiß lackiert. Ich bastelte mir eine Schablone, um den Rand der Muschel mit goldenen Ornamenten und eine große Styropor-"Perle" gold zu besprühen.



Während der Lack trocknete, fertigte ich extra für die Händelfestpiele zahlreiche Schmuckstücke mit Süßwasserzuchtperlen, vergoldeten Muscheln und Schnecken sowie winzigen Musikinstrumenten an - die ganze Kollektion gibt es hier auf www.Klunkerfisch.de!


Das Schaufenster habe ich dann wie eine Opern-Bühne gestaltet: In der Mitte befindet sich die große Muschelgrotte mit ihrer goldenen Perle. Die Schmuckstücke an der Muschel-Wand und auf der Perle werden von vielen winzigen Lichtern illuminiert und glänzen dadurch prunkvoll.
Gehalten wird die Perle von Händen in eleganten Satin-Handschuhen - einer Opern-Besucherin? ;o)


Seitlich vor der Muschel befindet sich der Vorhang der Bühne - bestehend aus transparenten Chiffon-Tüchern aus meinem Sortiment und einer Feder-Boa (dieser Opern-Besucherin?).
Für die Schaufenster-Gucker habe ich noch einige Infos in Muschel-Rahmen aufgehängt. Zusätzlich liegen Flyer für sie bereit.
Vor der Muschel wellen sich Seiden-Tücher (aus meinem Sortiment) wie das Meer und daneben türmen sich bestickte Kissen (ebenfalls aus meinem Sortiment), die zum Verweilen in mythischen Hainen oder am Strand einladen.


Ob meine Gestaltung für einen Preis beim Schaufenster-Wettbewerb ausreicht, berichte ich euch gleich nach der Preisverleihung am 8. Juni! Drückt mir die Daumen! :o)