Donnerstag, 29. Oktober 2015

Der Klunkerfisch-Laden als ehrenamtlicher UPS Access Point - meine finanziellen Erlebnisse mit UPS

Einige von euch wissen es, die meisten nicht: Seit Juni 2015 ist der Klunkerfisch-Laden in der Kuhgasse auch ein UPS Access Point - und zwar der einzige in der Innenstadt von Halle (Saale). Mir sollte die zusätzliche Arbeit als Paketshop-Betreiber doch ein paar Vorteile bringen, dachte ich: zusätzliche Kunden und zusätzliches Geld - kann ich beides gut gebrauchen.

Doch UPS ist nicht so zuverlässig, wie sie sich in ihrem Firmenprofil darstellen: Bis Anfang September hatte ich gewartet, dass ich mal einen Cent der vertraglich vereinbarten monatlichen Vergütung auf meinem Konto sehe - aber es kam nichts an.
Also mailte ich an die Access-Point-Service-Abteilung und wurde von einer freundlichen Mitarbeiterin zurückgerufen. Sie versprach, mein Problem weiterzuleiten, und bat mich um noch ein wenig mehr Geduld - sie wolle sich wieder melden, wenn sie mehr wüsste. 
Sie meldete sich zwei Wochen lang nicht, deshalb schickte ich die nächste Mail los und fragte nach meiner Vergütung. Die freundliche Dame rief mich prompt an und erklärte mir, dass mein leeres Portemonnaie kein Einzelfall ist, sondern auch andere UPS Access Points betroffen sind - es wäre ein Fehler im Computersystem, der derzeit die Überweisungen verhindern würde. Sie versicherte mir, dass an dem Problem bereits gearbeitet würde, teilte mein Unverständnis über die technischen Probleme einer so großen Firma, versicherte mir, dass sie mir mein Geld zu gern auch persönlich in bar vorbeibringen würde, wenn sie könnte, und versprach mir, mich wiederum in zwei Wochen anzurufen, um mir dann hoffentlich mehr und positiveres sagen zu können. 
Tatsächlich rief sie nach 14 Tagen an - keinen Tag früher - und teilte mir bedauernd mit, dass es keine Neuigkeiten gäbe, aber genau zu dem Thema ("technische Probleme") in den nächsten Tagen eine Sitzung stattfinden würde - und wir wollten doch so verbleiben, dass sie mich in 14 Tagen... "Nein!", meinte ich, "so verbleiben wir nicht! Ich werde ab sofort streiken!" Sie schluckte hörbar und bat mich dann, ihr meine Absicht doch bitte per Mail zuzusenden, damit diese Mail als "Zündstoff" bei der Sitzung vorgelegt werden könne. Aber gerne doch! Ich schrieb:

"Sehr geehrte Damen und Herren, 
am 3.6.2015 unterzeichnete ich den UPS-Access-Point-Standort-Vertrag und habe seitdem noch nicht ein einziges Mal eine monatliche Vergütung erhalten! ...
Auf mehrmalige Nachfragen per E-Mail wurde mir von Frau D., Mitarbeiterin Ihrer Access-Point-Service-Abteilung, mitgeteilt, dass es technische Probleme bei ... der Überweisung der Vergütungen an die Access Points gibt. Die erste Mitteilung an mich über diese Probleme ist jetzt mehr als drei Wochen her und ich kann kein Verständnis mehr dafür aufbringen, dass ein weltweit agierender Konzern so ein technisches Problem nicht zeitnah lösen kann!
Da ich nicht gewillt bin, weiterhin unentgeltlich für UPS zu arbeiten (dann engagiere ich mich lieber ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe), kündige ich Ihnen hiermit einen Streik an: Sollte ich bis morgen Abend (Ladenschluss: 19 Uhr) von UPS keine verbindliche schriftliche Zusage auf Zahlung der ausstehenden Vergütungen für Juni, Juli, August und September 2015 bis spätestens zum 20.10.2015 erhalten, werde ich den Access Point ab dem 15.10.2015 schließen, bis die Vergütungen auf meinem Konto eingegangen sind. So lange werde ich weder von UPS-Lieferanten noch von Kunden Pakete entgegennehmen. Meine UPS-Kunden werden von mir über den Grund des Streiks per Aushang an meiner Ladentür (NICHT per "Urlaubsankündigung" in meinem UPS Access Point Account!) informiert und aufgefordert, sich mit Beschwerden direkt an UPS zu wenden.
In der Hoffnung auf ein rasches Lösen des Problems durch Sie verbleibe ich mit freundlichen Grüßen ..."


Plötzlich kam die Sache ins Rollen!

Herr O., der mich in die Führung eines UPS Access Points einwies (oder besser gesagt: in die Pflichten - denn laut Vertrag hat der Paketshop auffallend viele Pflichten gegenüber UPS, während die Firma... aber zurück zum Thema!), kündigte seinen Besuch im Klunkerfisch-Laden an.

Einen Tag vor seinem Besuch erhielt ich eine Mail von UPS Paris (olala!!) mit den Überweisungsankündigungen für die Vergütungen für Juni bis August. Allerdings waren für den Juni nur 40 Cent verbucht worden. Und der September fehlte in der Auflistung komplett.

Als Herr O. dann am 16.10. bei mir im Laden war, fand er mich und meinen Streik toll - ich würde damit ganz schön Staub aufwirbeln, meinte er. 
Auch dass ich den Kunden nicht vormache, ich wäre im Urlaub, fand seine Zustimmung und Unterstützung.  Herr O. erzählte mir dann, dass die falsche Juni-Vergütung durch die Umstellung des Buchhaltungscomputerprogramms entstanden war. Er versprach mir, dass ich die korrekte Juni-Summe noch in jener Woche erhalten würde - und ich versprach daraufhin, den Paketshop sofort wieder zu öffnen!
Die Juni-Zahlung ist bis heute nicht bei mir angekommen.

Dass ich bis dato noch gar kein Geld gekriegt hatte, lag nach Herrn O.s Worten an einer fehlerhaften Eingabe meiner IBAN (nicht durch mich verschuldet! ich hab sofort in den Vertragsunterlagen nachgeschaut - ich hab mich nicht verschrieben!). Die Recherche nach dem Fehler selbst hatte nur wenige Stunden gedauert.
Mit dem Geld für September sollte ich nicht vor Anfang November rechnen, meinte er - das wäre der UPS-übliche Modus operandi für Zahlungen an Access Points - über den ich bis dato NOCH NIE informiert wurde!! In den Vertragsunterlagen findet sich nichts dazu!!

Lasst euch das mal auf der Zunge zergehen: Die Abrechnung und Vergütung der geleisteten Arbeit eines Monats findet über einen Monat später statt! Arbeitet ihr dann gern für diese Firma? Ich nicht.
Und mein Stolz über die Schmeicheleien von Herrn O. war damit auch wieder verpufft.

Am darauffolgenden Montag hatte ich das Juli- und August-Geld auf dem Konto (sowie die 40 Cent für den Juni, haha!), aber dann schwieg UPS wieder.

Am vergangenen Freitag erhielt ich die folgende förmliche Mail von Herrn O.:
"Zur Korrektur Ihrer Monatsabrechnung Juni kann ich Ihnen (Stand heute) keine befriedigende Antwort bzw. einen Termin der Begleichung angeben.
Ich kann Ihnen diesbezüglich nur mitteilen, dass ich am Donnerstag, dem 29.10., zu diesem Thema einen Termin mit unserer Fachabteilung in Neuss habe.
Im Rahmen dessen werden auch die Zahlungsziele [wegen der horror-späten September-Zahlung, A.d.V.] diskutiert.
Aus Ihrer Sicht sicherlich nicht befriedigend.
Aus meiner Sicht sind nach Ihrer Aktion so viele Dinge ins Laufen gekommen, weshalb ich vorsichtig optimistisch daran glaube, dass nächste Woche eine Klärung herbeigeführt wird."

Ich glaubte das nicht und teilte Herrn O. dieses und meine Absicht mit, ab dem 27.10. wieder zu den genannten Bedingungen zu streiken.

Und gestern so? Da wunderte ich mich, dass seit Dienstag nicht ein einziger(!) UPS-Kunde bei mir im Laden aufgetaucht war. Ahnungsvoll schaute ich in meinen UPS Access Point Account und sehe: DASS ICH URLAUB HABE!! Wie erholsam. Ich löschte den Status - nur um nach einer Stunde festzustellen, dass man mich wieder auf "Urlaub" gesetzt hatte.


Also gab's gestern die nächste Mail an Herrn O.:

"... Wie Sie wissen, habe ich UPS über meine Absicht informiert, den Paketshop-Status eben NICHT auf "Urlaub" zu setzen, und auch erklärt, weshalb: weil ich das als Betrug der UPS-Kunden betrachte, denn ich mache nicht Urlaub, sondern streike - und das sollen die Kunden wissen!
... ich empfinde es als anmaßend, ohne Absprache mit mir - über mich hinweg! - einfach über meine angezeigten Öffnungszeiten zu entscheiden. Damit schädigt UPS mein Geschäft! Denn viel mehr als zunehmende Besucherzahlen brachte mir die Arbeit für UPS bisher nicht ein ... - und die werden mir nun zusätzlich zu meiner noch ausstehenden Vergütung auch noch vorenthalten!
Sollte ich wiederum feststellen müssen, dass mein Status auf "Urlaub" geschaltet wurde, gehe ich mit meinen UPS-"Erlebnissen" an die Öffentlichkeit. Seien Sie versichert, dass es eine sachliche Darstellung der tatsächlichen Ereignisse geben wird - ich bin einfach der Meinung, dass die UPS-Kunden darüber informiert werden sollten, welcher Firma sie ihre Sendungen und ihr Geld anvertrauen."

Herr O. teilte mir heute Morgen nur knapp mit, dass er unterwegs zu o.g. Meeting wäre, wo "mein Problem" geklärt werden sollte. Welche Maßnahmen ich zwischenzeitlich ergreifen würde, läge ganz in meinem Ermessen.

Ich bat ihn, mich gleich nach dem Meeting per Mail über dessen Ergebnis zu informieren, und bot ihm an, bis zu seiner Mail von einer Veröffentlichung meiner UPS-Erlebnisse abzusehen - unter der Bedingung, dass ab jetzt der Paketshop-Status auf "geöffnet" stehen bliebe.

Ich blieb im "Urlaub", egal, wie oft ich es im Account änderte. Gefühlte 50 Mal hab ich diesen "Urlaub" seit gestern gelöscht - und er wurde von UPS wieder eingesetzt.

Eine Mail habe ich von Herrn O. ebenfalls nicht erhalten.

Und nun wisst ihr's.

PS: Was jetzt folgt? Entweder die Fortsetzung oder das dicke Ende. ;) Ich berichte.