Mittwoch, 12. Dezember 2012

Tschick

Es ist selten, dass ich einen Film oder ein Theaterstück sehe, ohne vorher das Buch gelesen zu haben. Bei Tschick war es so. Klar, ich war informiert über die Handlung, kannte sozusagen den Plot, hatte auch kurz reingelesen in den Text. Aber ich hatte noch keine eigenen Bilder im Kopf. Und bekam zum Glück auch keine vorgesetzt.

Ich war gespannt, wie das neue theater in Halle es schaffen würde, ein „Roadmovie“ auf die Bühne zu kriegen – ständig wechselnde Schauplätze, viele verschiedene Protagonisten. Ich nahm an, dass man minimalistisch arbeiten würde, mit wenigen Kulissen und viel Phantasie. Ich wurde nicht enttäuscht.

Die Drehbühne mit einer Rampe wie eine halbe Halfpipe, ein paar Schaumgummimatten, Plastikgeschirr an einer Leine und fünf lebhaft agierende Schauspieler, von denen zwei in gefühlte hundert Rollen schlüpften, reichten aus, um vor meinem inneren Auge einen Film ablaufen zu lassen.
Ich sah ein Kornfeld im Gewitter, den steilen Abgrund einen Tagebaus, eine stinkende Müllkippe, hohe Felsklippen und einen dunklen See.
Alles heraufbeschworen durch das intensive, ungekünstelte Spiel von Nicoline Schubert, Karl-Fred Müller, Stella Hilb und besonders von Alexander Pensel und Pablo Guaneme Pinilla als Maik und Tschick. Sie nahmen mich mit auf ihre Reise ins Irgendwo, raus aus Vorurteilen und Beschränktheit, rein in die weite Welt, in der alles möglich scheint, wenn man nur frei genug dafür ist.

Tschick ist ein Buch, das ich jetzt unbedingt lesen will. Und ich bin sehr gespannt darauf, ob sich Bühnenbilder und Kopfkino dabei vermischen werden. So oder so – es wird lebendig bleiben.

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