Sonntag, 16. Oktober 2011

Voll und leer. Die Folgen eines Dachschadens.




Am Montagfrüh um sieben will der Trockenbauer meine Wohnzimmer- und Küchendecke abreißen.
Von Freitagmorgen bis Samstagabend räumte ich deshalb mit Hilfe von Suse und Martin (danke!! ihr seid die besten!!) alles (ALLES!!) ins Schlafzimmer.
Sorgfältig wurde jeder Quadratmeter Abstellfläche, jeder Kubikmeter Raum genutzt, um mein ganzes Zeug unterzubringen: Bücher und CDs / DVDs aufs Hochbett, Kartons mit Gläsern und Geschirr unter und neben den Schreibtisch, Schränke und Stühle zwischen Bett und Wand... Nur das Sofa, auf dem ich schlafe, mein großer Lesesessel, Kaffeemaschine und Kühlschrank (Biervorräte!) blieben draußen. Der Kühlschrank wird heute noch abgeholt; der Rest wird nachmittags, bevor ich ausziehe, in die letzte Lücke geschoben.
Es ist nicht leicht, an alle logistischen Eventualitäten rechtzeitig zu denken: Was für Klamotten brauche ich in der (den?) nächsten Woche(n?), ist das Portemonaie wirklich im Rucksack, komme ich an die Schmuckwaren heran (für den Fall, dass Bestellungen reinflattern) - und wo, verdammt, ist der Flaschenöffner?? Solche lebensnotwendigen Dinge erreicht man am Ende nur unter großen körperlichen Strapazen.
Der Abend gestern war so trostlos, wie er in so einer Situation nur sein kann: Ich hatte ein paar Teelichter gerettet, die zusammen mit meiner kleinen karierten Nachttischlampe meine einzige Lichtquelle waren. Denn alle anderen Lampen waren natürlich schon abgebaut. Suse hatte mir aus einer Plastekiste einen Nachttisch gebaut. Und da lag ich nun, starrte meine so schön renovierten Wände an, die ich nächste Woche vermutlich nicht mehr wiedererkennen werde. Starrte auf die Dübellöcher meines schönen Bücherregals, das nun auseinandergenommen in irgendeiner Schlafzimmerecke schläft. Starrte auf die Löcher in der Decke und lauschte auf die knackenden, trocknenden Balken und das Wispern der Bewohner darin - letzteres fand wohl eher in meinem Kopf statt und könnte auch das hämische Kichern meines Vermieters gewesen sein, der vermutlich in seinem Haus vor dem Kamin lümmelte und keine Ahnung hat, wie es mir gerade geht...
Heute scheint die Sonne und die trüben Gedanken sind nur noch vage milchig. Was muss, das muss. Und wenn ich es schaffe, meinem Vermieter jetzt noch die Aufarbeitung meines Parketts aus dem Kreuz zu leiern, dann wird wirklich alles wieder gut.