Montag, 28. Februar 2011

Rauchende Omis - ein Tramfahren-Special

Auf der Heimfahrt mit der Tram am letzten Freitag hatte ich gründlich Gelegenheit, eine Omi beim Rauchen zu beobachten, denn die Tram hielt an einer Haltestelle eine ganze Zigarettenlänge lang, wegen der Anschlussbahn.
Die Omi hatte lange, manikürte Fingernägel, teilweise gelb verfärbt. Das sah ich gut, als sie nach dem Aussteigen hastig ihre Zigarettenschachel aus der braunen Kunstlederhandtasche kramte und sich eilig eine Fluppe ansteckte. Unter der passenden wuschelig braunen Wintermütze franste ihre graue Dauerwelle hervor.
Die ersten Züge gingen tief und sehr schnell hintereinander. Die Omi war schon ziemlich alt, hager und knitterig im geschminkten Gesicht. Sie hielt ihre Zigarette die ganze Zeit akkurat zwischen Zeigefinger und Mittelfinger genau vor ihrem Gesicht, das Handgelenk kokett nach hinten weggeknickt, als nutzte sie eine lange Zigarettenspitze. Im Zehn-Sekunden-Takt steckte sie sich das Stäbchen genau waagerecht und mittig in ihren kirschrot bemalten Mund. Dazu wölbte sie die runzligen Lippen einladend nach vorn, wie zu einem Kuss, und saugte dann mit fast perverser Intensität an ihrem Glimmstängel, so dass sich ihre faltigen Wangen weit nach innen höhlten und der Aschewurm zügig länger wurde. Den Rauch blies sie zwischen den immer noch gespitzten Lippen wie aus einem Auspuff aus, die schlaffen Augenlider selig gesenkt, während sie lässig, aber ungeschickt, versuchte, die Asche abzuschnippen. Dabei traf sie ihren braunen Mantel, was sie aber nicht merkte, da sie schon wieder gierig an der Zigarette nuckelte. Offenbar musste die Zeit reichen, um das Ding vor dem Eintreffen der nächsten Tram aufzurauchen.
Die Chancen standen gut. Als meine Bahn anruckte, hatte sie bereits zwei Drittel geschafft. Genussvoll geschafft. Bedenken wegen Lungenkrebs schien sie nicht zu haben. Vielleicht glaubt sie den Spruch von Räucherware und deren Haltbarkeit. Ich nicht, aber ich war fasziniert von ihrem skurrilen Bild. Danke dafür.