Donnerstag, 21. Oktober 2010

Million Voices für die Telekom - ein Erläuterungsversuch

Etliche Leute haben mich auf meinen Blog angesprochen und mich gefragt, wieso ich mich so über die Werbeaktion der Telekom aufrege. Wenn jemand da mitmachen wolle - bitteschön. Mittlerweile wäre doch jeder daran gewöhnt, dass TV und andere Medien nur noch seichten und geistlosen Einheitsbrei liefern usw. Das könne man doch auch einfach ignorieren.
Nun ja. Wem das reicht. Für mich ist Ignoranz eben nicht das gleiche wie Boykott, dazu gehört für mich eben auch, öffentlich "nein danke" zu etwas zu sagen, das einem gegen den Strich geht.
Mir wurde auch vorgeschlagen, doch meinen Blog als Brief an die Telekom zu schicken. An sich eine gute Idee - aber ich bezweifle, dass ein Brief einer einzelnen Person viel erreichen würde. Allenfalls eine Korrektur der Musiker-Namen und eine höfliche Antwort, in der steht, dass sich die Telekom natürlich auch an karitativen Aktionen beteiligt. Stelle ich mir so vor. Wahrscheinlicher wäre aber, dass man mir gar nicht erst antwortet. Wie viel wirkungsvoller wäre es dagegen, wenn sich kaum jemand an dieser Aktion beteiligt... Ich gerate ins Träumen.
Mich stört bei dieser Aktion auch nicht, wie jemand vermutete, dass sie von der Telekom oder Thomas D initiiert sind. Zwar habe ich die Fantastischen Vier bisher als intelligente, wortgewandte Leute wahrgenommen, aber gut - wenn sie sich in die Reihen der sich selbst beweihräuchernden Comedians und We-love-to-entertain-you's einreihen wollen - jeder wie er gern enttäuschen möchte.

Was mich stört, habe ich eigentlich deutlich geschrieben: Dass man hier ein Lied verwendet, dessen Ursprung und eigentliche Bedeutung Rassismus und Armut anprangern - und es hier als Werbemittel missbraucht. Heiligt der Zweck die Mittel?
Mir fallen da gleich die Kampagnen von United Colors of Benetton wieder ein: die blutigen Kleider eines Soldaten - die Welt empörte sich damals über diese Geschmacklosigkeit - und die Werbung erfüllte ihren Zweck: alles sprach von Benetton. Die sich küssende Nonne und der Priester - man war pikiert und hielt dies für unsittlich - und die Werbung erfüllte ihren Zweck... Es gibt einige solcher Beispiele. Dagegen ist diese Million-Voices-Aktion regelrecht plump, ich weiß. Aber trotzdem nicht weniger unpassend und unverschämt.
Unverschämt auch, weil die Telekom durch diese Strategie gleich mehrfach Werbung auf ziemlich billige Weise macht. Schon vor der eigentlichen Werbung für das Produkt VDSL durch die Singerei von Deutschlands größtem Chor (denn das ist ja das Ziel) ist das Produkt in aller Munde. Oder besser das Hohelied auf die Telekom. Und alle Ruhmbessenen tragen gratis zum Reichtum des großen T's bei...

Wer jetzt immer noch verständnislos seinen Kopf schüttelt, den frage ich, was er denken oder fühlen würde, wenn er jemanden aus seiner Familie oder seinem Freundeskreis in einem Werbespot über die Mattscheibe flimmern sähe. Ich wäre nicht stolz auf denjenigen, weil er nicht selbst nachgedacht hat, für was er sich da hergibt, sondern sich verführen und damit ausnutzen ließ für etwas, das nicht seine Sache ist. Das nur dem Wohl eines Konzerns dient. Nicht ihm selbst oder seiner Welt.
Wem das immer noch zu ideell ist: Ich habe die Teilnahmebedingungen nicht gelesen. Aber ich könnte mir vorstellen, dass man mit dem Einreichen eines Videos sämtliche Nutzungsrechte daran an die Telekom abtritt. Wer weiß also, was sie daraus letztlich basteln? Kann ich euch wenigstens damit Sorgen machen?