Freitag, 20. August 2010

Kleine Spinnerei

Der Tag spannt himmlisch seinen blauen Bogen,
Er zielt und schießt und trifft die Nacht,
Steigt blutig - sie ist sterbend abgezogen.
Spinnchen ist davon aufgewacht,

Sie knüppert hier und da ein Fädchen,
Sie putzt sich, trinkt vom Morgentau.
Und Tropfen spiegeln Sonnenrädchen,
Ganz tief und tiefer wird das Blau,

Ich liege bäuchlings auf dem kühlen Rasen,
- Andauernd wärmer wird die Luft -
Ich spinne schillernd bunte Seifenblasen
Und schnuppre Sommerwiesenduft.

Ich träume weich und psychedelisch-funkelnd,
Spinnwebenleicht und transparent.
Gar nichts ist heute sonnenlichtverdunkelnd,
Nichts da, was auf der Seele brennt.

Ich mach mir später sicher wieder Sorgen,
Werd jammern, zu den Göttern flehn.
Doch heut verschieb ich Grübeleien auf morgen.
Für Kummer ist der Tag zu schön!

Ich schwöre euch, ich nutzte nichts zum Rauchen!
Trotzdem fühl’ ich mich wolkenweich.
Noch nie schien ich so wenig Glück zu brauchen,
Ich find’ mich überfließend reich.

Ich lass’ mich in die Hängematte fallen,
geknüpft aus Spinnenfadentwist.
So viel Zufriedenheit wünsche ich allen.
Gut, wem das täglich möglich ist.

© Bellis