Donnerstag, 24. Juni 2010

Strömungsmessung

Am Fluss das Fließen ist gar keins:
die Wasseroberfläche glatt
und unbewegt, verweilend, scheint’s.
Ich sehe mich an Ruhe satt.

Im trüben Wasser neigt sich Tang
zum Schlamm hinab, braun, monochrom.
Und ein paar Fische stehen lang
fast regungslos und still im Strom.

An mir vorbei in buntem Lauf
treibt Laub, lotslosen Booten gleich.
Führ’s nicht hinab, zu zweit, zuhauf,
säh’ ich nicht, dass die Zeit verstreicht.

Das leuchtend gelbe Ahornblatt,
links überholt von welkem Gras,
ein Birkenblättchen schaukelt matt,
zwei Weidenblätter, schlaff und nass,

ein Eichenblatt, rotbraun getupft,
ein purpurrotes Blatt von Wein,
drei weiße Federchen, gerupft
vielleicht von einem Entenbein?

Ein kleines Stück, ganz zart gesägt,
das Fetzchen eines Lindenblatts,
hat sich auf einen Zweig gelegt -
ein Fisch springt jäh mit einem Satz!

Sogleich zerfließt der Wellenring.
Der Fluss nimmt alles mit sich fort.
Das Pappelblatt, das ich mir fing,
schwimmt schon um jene Biegung dort.