Dienstag, 23. Februar 2010

M!PÖRT zeigten: Abgefrackt!


Immer noch drehen sich meine Gedanken um die gelungene Premiere der Kabarettisten aus Bernburg am letzten Samstag. Monatelang hatten die acht M!PÖRTen, neben Beruf und Familie und allen damit verbundenen Sorgen, recherchiert und gedichtet, gebastelt und geprobt. Und waren am Ende ganz nervös und unsicher - völlig unnötig. Denn herausgekommen war ein höchst niveauvolles und flottes Programm, das so richtig unsere Hirne in Schwung brachte!

„Abgefrackt“ hatten sie ihr Programm genannt. Zum einen, weil sie den feierlichen Frack der letzten Vorstellung ausgezogen hatten, in der es um das Leben des mit Bernburg verbundenen Kabarettisten Peter Pan ging. Zum anderen, weil dieses Wort so herrlich doppeldeutig zu verstehen ist: abgefrackt - abgewrackt! Und das sollte wohl mit einigem in diesem Land passieren!

Mit spitzer Zunge und blitzendem Geist zogen sie also über Welt- und Lokalpolitik her, so dass kein Auge trocken und kein Thema tabu blieb. Ob nun unserem „Bundesarzt“ auf den Zahn gefühlt wurde oder eine lokale Größe die Bernburger Burgergemeinschaft (nein, ohne Ü-Strichelchen!) ins Leben ruft - ist sowieso einer bzw. schmeckt eh eine wie die andere, war da das Fazit!
Kritisch wurden die verschiedenen Seiten des Lebens betrachtet, denn „was können WIR tun“, fragten die M!PÖRTen auch. Am PISA-Ergebnis sind nicht nur die Lehrer Schuld und Montagsdemos finden schon lange nicht mehr statt...

Manchmal blieb mir das Lachen sprichwörtlich im Hals stecken, wenn z. B. ein Hartz-IV-Empfänger schildert, wie ihm Lebensraum und Nahrung bedürfnis- und artgerecht zugewiesen werden - wie einem Gorilla im Zoo. Nachdenklich machte mich auch das Lied über uns sachsen-anhaltinische Frühaufsteher, wunderbar kreativ illustriert mit ringelsockigen Windmühlenflügeln.

Befreiend dagegen mein Lachen über die freche Satire der Westerwave Girls über das Sprachgenie Guido Westerwelles - und die Mädels sahen gut aus!! Herrlich böse war auch die nächtliche Telefonseelsorge der „Robert-Enke-Gedächtnisstiftung“ zur Suizidprophylaxe.

Nein, M!PÖRT ist nichts zu heikel und nichts heilig. Außer ihrem Credo: Anprangern und Aufdecken für mehr Mitdenken und Mitmenschlichkeit. Und über diesen gesellschaftlichen Mangel empören sie sich gnadenlos genial!

Schaut euch dazu meine Fotos an!

Und lest auch den Artikel der Mitteldeutschen Zeitung!