Donnerstag, 18. September 2008

Klein und dick - Frau im Glück???

Ich bin verzweifelt. Denn ich habe nichts anzuziehen! Ein typisches Frauenproblem? Ja, schon. Aber im Normalfall durch exzessives Shopping leicht zu lösen. Nur bin ich nicht normal.

Ich bin Ende Dreißig, klein und dick. Und das ist der Grund, warum ich nach einer dreistündigen Shoppingtour durch das größte Einkaufszentrum Mitteldeutschlands nicht eine Klamotte gefunden habe, die mir a) gefällt und b) passt und c) auch steht! Wogegen mein Herzallerliebster (HAL), der sonst sehr wählerisch und ungeduldig ist, in drei verschiedenen Läden vier Pullover abgriff, die allesamt lässig und preiswert waren. Wie gemein!

Ich hatte die Wahl zwischen Girlie-Look in Lila und Plastikgrün, den ich bereits in den 80ern trug, als die Mutter der grinsenden Kundin aus der Nachbarkabine in meine Parallelklasse ging, und bei dem selbst die Größe L aussieht wie XS, nur das die Ärmel bis zu meinen Knien gehen. Oder dem Zelt-Style von Ulla Popken & Co., deren Modemacher offenbar der Meinung sind: wenn eine Frau zunimmt, dann in alle Richtungen, also auch nach oben und unten und in der Jahreszahl, so dass am Ende eine mollige Frau ungefähr 1,80 m groß und im Durchschnitt 60 Jahre alt ist. Ich bin doch aber nur 154 cm kurz und erst 38!

Ich probierte gestern Babydolls und Tuniken an, die herrlich runde Bäuche verstecken können, wenn sie nicht unter der Brust gesmogt oder gar mit einem auffälligen Schleifchen abgebunden sind. Ich quetschte mich und meinen Busen in schlabberig aussehende Used-Look-Shirts (Größe L), die aufgrund von schmalem Schnitt, Schultersitz und Ärmellänge eine prima Zwangsjacke für mich abgegeben hätten (wirklich! ich hätte die Ärmel hinter meinem Rücken zusammenbinden können!). Ich versuchte Strickpullunder und Westen, in denen mir der Schweiß sicher auch noch in den Kniekehlen perlen würde, während meine Arme gänsehäuten. Und ich streifte, zunehmend (nein! ich hatte noch nichts gegessen!) resigniert, durch die „Damen“-Abteilung von H&M, Sinn&Leffers, C&A, Peek&Cloppenburg & anderen Modehäusern. Überall für „Mädchen“ dieselben schrillen Farben und Blockstreifen (hallo?! soll ich summen, wenn ich das trage, damit auch der Letzte die dicke Hummel heranschwirren sieht?) und dieselben Wigwams in gedeckten Herbsttönen für „Damen“.

Wisst ihr, Männer, wie sich die Verzweiflung einer Frau, die keine Obertrikotagen für sich finden konnte, erkennen lässt? Sie geht in Schuhläden! Ich hab mindestens drei Paar süße, lässige, mittdreißigeringeeignete Schuhe gesehen, die ich hätte auf der Stelle mitnehmen wollen! Aber Schuhe habe ich genug (boah, was für ein Paradoxum aus der Feder einer Frau!!).
Statt Schuhen kaufte ich mir zwei DVDs: „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ und „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“ (wenn das kein Zeichen ist!) und beschloss, mein Glück im Online-Shopping zu finden.

Gesagt, getan. Gleich heute morgen googelte ich nach „Mode - Frau - klein – dick“ und bekam wirklich hilfreiche Ergebnisse:

• „Klein, dick und sooo interessant!“ – ein Erfahrungsbericht über eine neue Frauenzeitschrift, nicht etwa über Frauen an sich!

• Kurz und dick – der Frauen Glück! Ab wann ist ein Penis zu klein?

• Modemagazine: „Machen Sie mehr aus Ihrem Typ!“ und „So erreichen Sie Ihr Wohlfühlgewicht!“

• Foren, in denen Frauen mit dem gleichen Problem nach Hilfe schrien, und in denen ihnen zu K-Größen und Übergrößen in der Kinderabteilung geraten wurde (glaubt wirklich irgendwer, dass ich dort nicht auch schon geguckt hätte? ich war noch nie größer und bin auch schon länger rund!).

• Linksammlungen zu Onlineshops im Allgemeinen mit Abteilungen für Übergewichtige (ich fühle mich nicht übergewichtig! ich brauche nicht Größe 46! – in einem Forum nannte sich eine Frau mit Humor „nicht übergewichtig, sondern untergroß“, genial, denn das trifft’s!).

• Einen Artikel über das Internationale Textilforschungszentrum in Bönnigheim, wo gerade Frauen ab 50 mit einem Bodyscanner vermessen werden, damit es zukünftig ansprechende Kleidung zwischen Oma-Mode und Jugendwahn für die reifere Generation gibt (löblich! löst aber mein Problem nicht wirklich zeitnah!).

• Eloquente Trendberichte darüber, dass ganz bestimmt und bald von der Modeindustrie erkannt wird, dass die Mehrzahl von uns Frauen NICHT Konfektionsgröße 34/36 trägt (aha? WANN???).

And the winner is: die Werbeseite eines Bekleidungsproduzenten, der eine großangelegte Vermessung kleinwüchsiger Menschen für maßgeschneiderte Klamotten durchführen will. (Sollte ich mich dort mal melden?)

Wieder melden werde ich mich bestimmt hier, z. B. wenn ich mal wieder BHs kaufen wollte und dabei feststellte, dass es auch für Trägerinnen der Körbchengröße C/D nur gepolsterte Exemplare in den Läden gibt. --- Ha! Als ob wir noch weitere Polster bräuchten! ;o)

Montag, 15. September 2008

Shockheaded Peter!

Am Freitag sah ich ihn, den „Shockheaded Peter“. Die schockierende Junk Opera - eine Gemeinschaftsproduktion des neuen theaters und des Puppentheaters Halle, ein „makabrer Spaß oder gedankenschwerer Exkurs in die Tiefen der menschlichen Seele“ - zeigt, „was passiert, wenn sich das Ego-Monster Mensch nach Nachwuchs, nach Vervielfältigung sehnt“.
„Shockheaded Peter“ ist der englische Titel des deutschen Kinderbuchs „Struwwelpeter“. Mitte des 19. Jahrhunderts geschrieben vom Jugendpsychiater Dr. Heinrich Hofmann, ist dieses Buch jedem bekannt und war auch noch zu meiner Kinderzeit (in den siebziger Jahren) beinahe in jedem Kinderzimmer und jeder Kindertagesstätte vorhanden. Auch heute noch kann man das Buch, neu aufgelegt mit den Originalzeichnungen des Autors, bei Amazon erwerben. Und auch heute scheint nicht jeder das Buch grausam und alles andere als moralisch wertvoll zu finden, liest man die Rezensionen zum Buch.
Aber was neues theater und Puppentheater aus den Geschichten machten, entlarvt überdeutlich den Abgrund der Menschlichkeit, und zwar so schwarzhumorig böse, dass mir oft das Lachen im Hals stecken blieb.
Da sind moderne Eltern, die sich endlich mal wieder einen Abend ohne Kind gönnen möchten. Eine Babysitterin (Lisa) wird engagiert. Und diese engagiert sich so gut, dass das Kind (grandios die Idee, einem erwachsenen Schauspieler einen überdimensionierten Puppenkopf aufzusetzen und so kindliche Proportionen zu schaffen!) nach anfänglicher Ablehnung Vertrauen zu ihr fasst und sie in die eigenen Alpträume einlädt. Das Kind präsentiert die Geschichten des Buchs als Stück im Stück, gespielt und gesungen auf fünf „Etagen“...
In einer Biedermeierkulisse lebt ein biederes Ehepaar, das sich ein Kind wünscht. Aber als das ihnen geschenkte Kind sich als hässlich, garstig, widerborstig - als Struwwelpeter eben - herausstellt, wird das Kind in den Keller geworfen und vergessen. Der Suppenkasper muss eben verhungern, wenn er den täglichen Einheitsbrei verschmäht, während die Eltern ihn mit stoischer Gier in sich hineinlöffeln und nebenbei außereheliche Beziehungen pflegen. Paulinchen (eine mit der Schauspielerin identische Pappfigur) brennt wirklich lichterloh im im Puppenstubenformat nachgebauten Bühnenbild bis auf das sorgfältig gestaltete Drahtskelett herunter. Hans guckt so lange in die Luft, bis er vom Dach des neuen theaters, wo er auf dem Geländer der Dachterrasse balancierte, ins Publikum stürzt (zu meinem Schreck kaum fünf Meter von mir entfernt). Und der Wüterich Friederich (eine exzellent von zwei Puppenspielern geführte Puppe in Babygröße mit verzerrten wütenden Gesichtszügen) wird nach seinen beängstigend realen Attacken auf die Eltern nicht vom Hund gebissen, sondern von der Babysitterin Lisa zur Raison und damit umgebracht. Erschütternd mit anzusehen, wie die Puppe immer wieder von den Puppenspielern aufgerichtet wird, wie sie zusammenbricht und dabei ihr Kopf an ihrem langen Stoffhals über den Bühnenrand hängt, wie echt die vorwurfsvoll anklagenden Blicke und Lisas entsetztes Weinen wirken.
Als am Ende die Eltern wieder nach Hause kommen und Lisa endlich aus der Wohnung fliehen darf - ist noch gar nichts zu Ende. Das Kind wird ins Bett gesteckt, die Eltern möchten sich noch mehr Zweisamkeit gönnen. Und als das Kind alpträumt (von mordlustigen Hasen!), erwacht und Geräuschen nachgeht, ertappt es seine Eltern beim Sex (herrlich subtil angedeutet durch das Raus und Rein einer Schreibtischschublade) und steckt sich die Daumen in den Mund, halb verstört (shock-headed!!) und halb voll kindlich-unbewusster Wolllust. Strafe muss sein, die Eltern kommen mit der riesengroßen Schere und schnippeln ihm die Daumen ab. Doch Lisa erscheint als gute Fee, sie trommelt die bösen Buben, die unartigen Kids des Buchs zusammen und dreht mit ihnen den Spieß um! In rebellischer Eintracht fesseln sie die Eltern an ihre Stühle, wo sie gekippelt werden, damit sie vor Angst wie Philipp zappeln; ihnen wird Suppe eingetrichtert und ihr Haar wird zerzaust und abgeschnitten!
Zweifache Versöhnung: die Eltern bekommen lange Fingernägel und struwwelige Haare und sitzen friedlich mit ihrem missratenen Kind am Tisch. Und aus dem Keller steigt der inzwischen riesige Struwwelpeter mit haarigem Riesenpappkopf, der sich als Lisa entpuppt, die den Kopf feierlich dem Kind überreicht, ein Akt des Verstehens, des Solidarisierens zwischen Kind und noch nicht ganz erwachsenem Babysitter.
Was haben wir gelernt? Dass sowohl Kinder als auch Erwachsene aus egoistischer Berechnung richtig grausam sein können? Dass grausige und sinnlose Bestrafungen und Belehrungen auch heute noch angewandt werden? Und man sich selbst wiedererkennt in der Ungeduld und Unbeherrschung der Protagonisten? Ich empfehle jedem, sich dieses Stück anzuschauen und sich sein Urteil selbst zu bilden. Als Moral von der Geschicht´...

MZ vom 2.6.2008

Weiterführende Infos zum Stück gibt es hier!

Dienstag, 9. September 2008

September am Meer... auf www.klunkerfisch.de!

Nein nein, ich bin nicht schon wieder am Meer - obwohl ich´s gern wär`... ;o)
Die neue Klunkerfisch-Kollektion ist da!

Wasser, Sand und Himmel...

Wenn der Sommer ausklingt und Du beinahe allein am Meer bist - oder wenn Du zu Hause die Urlaubsfotos ausbreitest und Dich erinnerst, dann fällt Dir diese Dreifaltigkeit auf.

Aus den Inspirationen des Sommers entstand die September-Kollektion des Klunkerfischs:
- Meerfarben
- Strandgut
- Abendhimmel

Denn wer möchte schon jetzt an den Herbst denken?