Dienstag, 10. Juni 2008

Schildkröten ála Feng Shui (Teil 2)

Es ist vollbracht! Das Mobile ist fertig!

Kopf und Hals der Schildis gestaltete ich wie bei einer Riesenschildkröte, also aufrecht mit deutlich abgesetztem Kopf. Außerdem bekamen die Schildis einen typischen kleinen Schwanz.


Die Holzschildkröte habe ich noch einmal angefertigt - dieses Mal überwiegt Grün im Panzer, das Muster sind Äste mit Blättern.
Die Metallschildkröte habe ich nicht noch einmal gefilzt, aber mit noch mehr Silber bestickt. Da ich leider keine Wolle in einem beigen Farbton habe, konnte ich diese Metall-Feng-Shui-Farbe nicht einbringen und habe deshalb nur Grau und Weiß und Silber verwendet. Das Muster soll die metallische Molekularstruktur (Gitter) darstellen.

Ich filzte kurze Füßchen, die leicht seitlich (also schräg nach unten) abstehen.
Mit den erhobenen Köpfen und den schräg (statt zur Seite) stehenden Füßchen schweben die Schildis unter einem Holzring, ohne dass sie wie Flugzeuge wirken.
Die Schildkröten haben natürlich auch Augen bekommen - winzige weiße Glasperlen wurden mit schwarzem Garn aufgestickt.


Wie es sich für ein Mobile gehört, sind die Schildis beweglich aufgehängt, das heißt: sie drehen sich, wohin sie wollen, schauen sich mal an, dann wieder nicht - und sie wippen lustig, wenn man sie anstuppst! ;o) Da sie an ganz feinem Nylonfaden hängen, schweben sie beinahe unsichtbar unter dem Holzring.
Oberhalb des Holzrings wurden auf jeden Faden drei winzige Glasperlen gefädelt (in Position gehalten von silbernen Quetschperlen), und zwar immer farblich passend zu der jeweils an dem Faden hängenden Schildkröte, dadurch entsteht der Eindruck eines filigranen Zelts oder einer Kuppel, unter dem/der die Schildis schweben.


Der Holzring selbst dient nur als Abstandshalter, er wurde an 5 Stellen (in gleichen Abständen zueinander) durchbohrt, so dass der Nylonfaden durch den Ring verlaufen kann. Damit der Ring nicht abrutscht, sitzen auf den Fäden unter dem Holzring ebenfalls silberne Quetschperlen, die den Ring in seiner Position halten.
Über dem Holzring laufen die Fäden in einem Punkt zusammen, an dem sie von 3 Quetschperlen zusammen gehalten werden. In der entstandenen Schlaufe sitzt ein kleiner dezenter Schlüsselring, an dem man das Mobile aufhängen kann.

Vom Schlüsselring bis zu den Schildkrötenfüßen ist das Mobile 50 cm lang. Der Holzring und damit das Mobile ist 10-11 cm breit. Die einzelnen Schildkröten sind vom Kopf bis zum Schwänzchen 5 cm lang. Das ganze Mobile wirkt in seinen Proportionen sehr symmetrisch und harmonisch und leicht und luftig.

Montag, 2. Juni 2008

Der geschmiedete Himmel


Jetzt ist sie endlich wieder zu sehen, in ihrer ganzen Pracht, die Himmelsscheibe von Nebra. Seit dem 23.05.2008 zeigt das Landesmuseum für Vorgeschichte dieses einmalige Artefakt der Bronzezeit im Rahmen einer völlig neu gestalteten Ausstellung. Chronologisch geleitet streift der Besucher nun durch die ersten Siedlungsfunde der Altsteinzeit vor und während der Eiszeit, mit Spuren von Mammutjägern und dem ersten denkenden Menschen. Er erlebt den „Menschenwechsel“ in der Mittelsteinzeit zu Beginn der Warmzeit: aufgrund von knapper werdender Jagdbeute veränderte der Mensch sein Jagd- und Siedlungsverhalten, er wurde zum Fischer und Waldläufer. Bis der Mensch schließlich in der Jungsteinzeit sesshaft wurde, Ackerbau, Viehzucht und Handwerk betrieb, seine Umwelt bewusst veränderte und für seine Zwecke zu nutzen begann. In der Frühbronzezeit blühte der Handel mit Keramik, Schmuck, Stoffen – und mit Metallen. Bronze galt nicht nur als extrem haltbares Material für Werkzeug und Waffen, sondern auch als Statussymbol: wer reich war, zeigte dies durch seinen Besitz an goldglänzenden Bronzegegenständen, wie Äxten, Messern, Töpfen und Schmuck. Die Himmelsscheibe ragt aus diesen weltlichen Alltagsgütern und Gebrauchsgegenständen heraus, und das nicht nur aufgrund ihrer glänzend goldenen Applikationen. Ob ihre Bedeutung jemals eindeutig und vollständig geklärt werden kann, ist fraglich – doch die Theorie, dass die Scheibe ein Kalender ist, welcher den Lauf der Himmelskörper innerhalb eines Jahres und damit die exakte Zeit für Aussaat und Ernte darstellt, ist verlockend einleuchtend und flößt dem Museumsbesucher große Ehrfurcht vor dem Wissen der Urahnen ein.
Es ist die dritte Himmelsscheiben-Ausstellung, die ich gestern besuchte.
Die erste präsentierte das Stück noch weitgehend in dem Zustand, in dem es gefunden wurde, gereinigt, aber beschädigt, jedoch in überwältigend feierlicher Weise: mitten im Atrium, einem drei Stockwerke hohen Saal unter einer Lichtkuppel, baute man die Vitrine auf, so dass sie nicht nur von allen Seiten, sondern auch von den Galerien der oberen Stockwerke aus zu sehen war. Unter die Lichtkuppel hatte man ein riesiges nachtschwarzes Tuch gespannt, in dem tausende winziger Löcher waren, durch die das Tageslicht blinzelte. Durch die aufsteigende warme Luft bewegte sich das Tuch ganz sacht. Der Effekt war grandios! Die „Sterne“ funkelten und glänzten, und ich fühlte mich tatsächlich wie unter einem gigantischen Himmelszelt. Ich glaube, ich saß stundenlang staunend und träumend auf den Stufen…
Die zweite Ausstellung war pompös. Das Himmelstuch war verschwunden. Stattdessen hatte man eine goldene Himmelsbarke diagonal in das Atrium gehängt, sie schwebte wie ein riesiger liegender Sichelmond zwischen den Galerien der oberen Stockwerke. Rings um das Atrium waren Funde und Leihgaben aus der Bronzezeit (u. a. der Sonnenwagen von Trundholm / Dänemark) ausgestellt – eine Fülle an Information und Glanz.
Die dritte Ausstellung drängt die Himmelsscheibe ziemlich ins Abseits. Wie schon beschrieben wird der Besucher chronologisch geleitet, wobei das Museum sich große Mühe gibt, Informationen anschaulich zu vermitteln. Ich liebe die phantasievoll erzählten Tages- und Jahresabläufe, die aus Geschichte lebendige Geschichten machen und wirklich nicht nur für Kinder spannend sind! Aber ehe man zur Himmelsscheibe kommt, hat man so viele Räume durchwandert, so viele Faustkeile, Scherben, Knochen und Äxte gesehen, dass man ganz benommen geworden ist (zumal die Luft im Museum nicht die beste ist). Als ich dann endlich in dem kreisrunden, stockdunklen Raum stand, der allein der Himmelsscheibe vorbehalten ist, war ich erst einmal verwirrt und dann enttäuscht. Denn die Scheibe ist nicht sofort zu sehen. Man muss erst um eine Trennwand (wie einen Wandschirm) herumgehen, die wohl das Licht vom Eingang abschirmen soll. Und so sieht man zuerst die Rückseite der Scheibe. Doch dann steht man unmittelbar vor ihr! Ganz nah und in Augenhöhe funkelt sie hinter dickem Glas, und man kann jeden Hammerschlag, den Rand des dünnen Goldblechs und die schuppige grüne Patina genauestens erkennen.
Schwindlig wurde mir in diesem Raum. Erst dachte ich, dass sich deshalb der Raum um mich dreht. Doch dann merkte ich, dass sich der Sternenhimmel über mir (genau wie in der ersten Ausstellung wurde ein schwarzes Tuch mit tausenden Sternenlöchern und sogar der Milchstraße unter der Lichtkuppel des Türmchens gespannt) dreht, und das sogar ziemlich schnell! Bänke oder Stühle ringsum an der Wand für kreislaufschwächere Besucher wären hier eine große Hilfe. Dann allerdings (eigentlich nicht nur dann) wäre es auch schöner, wenn man die Himmelsscheibe wie früher von allen Seiten und ohne störenden Paravent bewundern könnte, vielleicht sogar länger, weil im Sitzen. Ich fände es auch viel eindrucksvoller und zeremonieller, wenn man die Himmelsscheibe genau in der Mitte des Raums in einer altarähnlichen Vitrine präsentiert hätte.
Leider ist es auch nicht gestattet, das schöne Stück zu fotografieren. Schade, ich hätte gern mein ganz persönliches Foto von der Scheibe gemacht, natürlich nur für den Privatgebrauch. Das Museum könnte sich mit dem Verkauf von Fotoerlaubnissen sicher noch ein paar Pfennige dazuverdienen. Natürlich gibt es ein umfangreiches Merchandising zur Himmelsscheibe (einschließlich Postern und Fotobänden), und auch ich besitze einen winzigen Button und einen geschmiedeten Himmel en miniature, den ich um den Hals tragen kann – aber ansonsten gibt man für die Scheibe wenig Geld aus, denn der Eintritt ist moderat: 4 Euro für Erwachsene und 2 Euro für Kinder. Schön, dass Bildung hier mal nicht den Reichen vorbehalten bleibt.
Eine Jahreskarte werde ich mir sicher nicht kaufen (schon allein wegen dem niedrigen Eintrittspreis lohnt sich das nicht), aber ich werde sicher noch einige Male ins Museum gehen, auch um die kommenden Ausstellungen zum Mittelalter und der Neuzeit zu bewundern – aber hauptsächlich, weil ich himmelsscheibensüchtig bin.