Donnerstag, 17. April 2008

Wassernurwollt?! Ein Mangelprotokoll.

Ich stinke. Ganz gewaltig. Und das gleich aus mehreren Gründen.
Als ich gestern am Spätnachmittag nach Hause kam, empfingen mich zwei Überraschungen: Ein Wasserwagen vor der Haustür und eine Mail von meinem Vermieter.
Die kommunale Wasser- und Abwasser GmbH hatte aufgrund von Baumaßnahmen in unserer Straße kurzerhand ohne Ankündigung das Wasser ab- und dafür einen 3000-Liter-Wasserwagen aufgestellt. Für fünfzehn Wohneinheiten. Macht ein Vollbad pro Wohnung, wenn man sparsam ist und gemeinsam in die Wanne klettert. Das Wasser kleckerte aber nur bis ca. 19.30 Uhr aus dem Hahn, dann war Dürre. Dummerweise hatte ich auf meine Wasserration vertraut und keine Töpfe mit Kleckerwasser gefüllt. Bald hatte ich Durst – und den konnte ich nur mit Prosecco stillen, denn Mineralwasser und Orangensaft waren aus und Milch passte nicht zu meiner Stimmung.
Ich brauchte Alkohol, da mir mein Vermieter in seiner neuesten Mail meinen Auszug nahe legte … Dieses Kapitel fordert eigentlich ein eigenes Posting, aber dazu muss ich vorher abklären, ob ich anonymisierten privaten Schriftwechsel veröffentlichen darf.
Ich trank also Prosecco, entwarf scharfzüngige Antwortschreiben und krabbelte schließlich müffelnd ins Bettchen. Nachts hatte ich schrecklichen Durst und Alpträume, in denen ich in meinem Bett vertrocknete, wo man mich Wochen später fand, dehydriert wie Ötzi, neben mir zwei leere H-Milch-Packungen…
Natürlich gab auch heute Morgen der Wasserhahn nur ein müdes Röcheln von sich, als ich ihn um etwas Nasses bat. Was nun? Einen Vorteil hat eine Dachwohnung, wenn es auch wiederholt reinregnet. Nein nein, ich habe nicht das Wasser aufgehoben, das ich beim letzten Starkregen in diversen Töpfchen auffing – obwohl die Menge (mehr als ein halber Liter) durchaus für ein paar Tassen Kaffee gereicht hätte (eine kaffeebraune Farbe hatte das Wasser sowieso schon, da es mit Vorliebe von den dunkel gebeizten Dachbalken tropft) – ich habe auf meiner Dachterrasse zwei Regenfässer stehen! Ein unschätzbarer Vorteil gegenüber den anderen Mietern! Wie die heute Morgen ihre Verdauungsrückstände weggespült haben, weiß ich nicht – ich konnte mir mit der Gießkanne helfen! Überhaupt ist es ja sehr ermunternd, wenn man zur Freude von Nachbarn und Voyeuren bei gefühlten 10°C unter Null (der Boden der Dachterrasse hat wirklich geglitzert!) nur mit einem Pyjama bekleidet bis zum Ellenbogen im Wasserfass steckt. Erfrischend war auch die morgendliche Wäsche. Nee, unter der Gießkanne geduscht habe ich nicht! Dazu war das Fasswasser zu eisig. Stattdessen verpasste ich mir eine Katzenwäsche mit Lappen und Seife und duftender Lotion und noch mehr Parfüm. Zum Zähneputzen fand ich noch ein paar Tropfen im Wasserkocher und in meiner Zimmerpflanzengießkanne. Na, geht doch!
Als ich ins Büro eilte, teilte mir der Hausmeister auf der Treppe mit, dass die Pumpe des Wasserwagens abends kaputt gegangen wäre. Wieso er aber nicht stehenden Fußes am Telefon die kommunale Wasser- und Abwasser GmbH zur Behebung des Problems aufgefordert hat, hat er mir nicht verraten. Vermutlich hatte er genügend Biervorräte, sein Haar glänzte heute Morgen aber auch beneidenswert schön…