Donnerstag, 1. November 2007

HP7

Letzten Samstag kam er, der neue, der letzte Harry Potter. Gestern gegen elf Uhr hatte ich ihn durch. Und nun? Was mache ich ohne Harry? Fange ich noch mal an zu lesen, so richtig von vorn ab Band 1? Aber da war Harry noch so klein, und die ersten Bände habe ich auch schon mehrmals gelesen. Oder lese ich ab Band 6 noch mal? Ab dem Band wurde es nämlich erst so richtig düster. Aber das ist mir nicht weit vorn genug, da kriege ich nicht genug Abstand zum letzten Band... Verzwickt, fürwahr... Wie kriege ich denn Abstand, außer dass ich erst mal was Banalreales lese, wie einen der unzähligen Frauenkitschromane, die sich badewannengriffbereit auf dem Sims über meinem Klo stapeln? Reflektieren wir doch mal über HP7 – was hat mir gefallen und was nicht?
Gefallen hat mir der letzte Satz: Alles ist gut. Ein anderes Ende hat sich sicher kein HP-Fan gewünscht. Angst hatten wir ja alle, dass Harry stirbt, oder Ron oder Hermine. Oder Ginny. Aber im Epilog leben sie alle, sind alle miteinander verheiratet (also mit jeweils genau dem richtigen Partner, das ist schon fast zu schön) und haben eine Menge Kinder, die teilweise schon selbst Hogwarts besuchen. Die Option für Fortsetzungen...?
Die Enthüllungen über Snape waren für mich nicht überraschend, aber sehr rührend. Und sein Hass auf Harry wurde verständlich. Der dann doch nicht so groß war.
Sehr gelungen fand ich auch die finale Schlacht zwischen Harry und Voldemort. Wie Harry ihn mit gut gezielten Worten provozierte und ihn klein machte und dabei doch nicht böse war. Und wie er ihm letztlich seinen eigenen Fluch auf den Hals schickte, mit dem Zauber, der nun doch zu seinem Markenzeichen geworden war: Expelliarmus! Ich entwaffne dich und besiege dich ohne Gewalt. Schönes Bild.
Ja, es gab einiges, was spannend, atemberaubend, fesselnd war in diesem Band. Aber es gab auch Passagen, die lang waren, zu lang. Die ziellose Wanderung der drei Protagonisten, weil sie nicht wussten, wo oder was sie suchen sollten. Darüber wurden Nebenhandlungen (was machten die Schüler in Hogwarts zu dieser Zeit genau?) vergessen, erst später in Gesprächen kurz umrissen (als Neville erzählte).
Einige Kleinigkeiten störten mich. Die arme Hedwig stirbt in ihrem Käfig, gleich nachdem Harry aus dem Ligusterweg geholt wird – sie stirbt schmollend, mit einem einzigen Kreischer, ohne dass sie und Harry wenigstens noch einen liebevollen Blick getauscht haben! Vor dem großen Kampf taucht Percy auf, der bis hierhin ein überzeugter Anhänger des Ministeriums war – mit der lahmen Begründung, er wäre schon seit einiger Zeit nicht mehr so überzeugt... und hätte Kontakt mit Aberforth Dumbledore aufgenommen. Woher kannte er ihn? (Hab ich was überlesen?) Statt ihm (er wäre so ein passendes Opfer gewesen!) stirbt dann Fred Weasley in der Schlacht... Dann knutscht Hermine (im größten Schlachtgetümmel) Ron, weil er an die Elfen in der Küche denkt – und über aller Knutscherei vergessen sie dann doch, die Elfen zu warnen. Natürlich biegt Mrs R. das wieder gerade, indem sie zum Schluss die Elfen selbstbestimmt in den Kampf eingreifen lässt. Aber es passt nicht zur sonstigen Detailverliebtheit von Mrs R.!
Auch am Ende blieben für meinen Geschmack zu viele Fragen offen: Was wird aus Luna und der Romanze, die sich zwischen ihr und Dean andeutete? Wen hat Draco Malfoy geheiratet? Wie hat George den Verlust seines Zwillings verkraftet und führt er das Zauberscherzartikelgeschäft allein weiter? Und die wichtigste Frage: Wie war das Wiedersehen zwischen Harry und Ginny nach dem ganzen Abenteuer? Das alles überspringt Mrs R. und überlässt es dem Leser, sich etwas zurecht zu phantasieren. Oder plant sie doch eine Fortsetzung, vielleicht mit dem jungen Albus Potter im Mittelpunkt, dem Lieblingssohn von Harry, der solche Angst hat, nach Slytherin zu kommen? Es bleibt spannend!