Montag, 14. Mai 2007

Händels Open? Händels Closed!

Seit 1952 finden jedes Jahr im Juni in meiner Wahlheimatstadt die Händelfestspiele statt. Herr G. F. Händel ist bekanntlich hier geboren worden. Seine großen Werke sind fernab von Halle entstanden... Bestandteil der Händelfestspiele sind seit einigen Jahren die sogenannte „Händels Open“ – dort werden Werke von Händel meist unklassisch durch Rockbands, Gospelchöre oder Jazz-Combos interpretiert. Da modern und abwechslungsreich und kostenfrei als eine Art Volksfest gestaltet, erfreuten sich gerade diese Freiluftaufführungen auf dem Marktplatz großer Beliebtheit. Es gab Bier und Biertischgarnituren und buntes Musikvergnügen in der ganzen Innenstadt. Aber die Stadt ist pleite und clever, weshalb sie auf die Idee kam, die „Händels Open“ von Volks- in Kammermusik zu verwandeln – closed handled! Seit zwei-drei Jahren wird also kurzerhand um den unteren Markt der Stadt ein hoher Bauzaun gezogen, der mit Planen verkleidet wird. Innerhalb des umzäunten Bereichs befinden sich die Tribüne für die zahlungsfähige Elite (Karten für Sitzplätze kosten um die 60 Euro) sowie Platz für zahlungswillige Musikbegeisterte mit hartem Hintern oder Stehvermögen (Karten je nach musizierendem Prominenten zwischen 15 und 35 Euro, ein Sitzplatz wird nicht garantiert). Außerdem natürlich die Bühne, die seitlich ebenfalls durch Planen abgeschirmt wird, damit ja kein Außenstehender einen Blick auf die Musiker erhaschen kann (und dennoch steht das Volk zahlreich, um zu lauschen!). Ich find´s heftig! Dieses Jahr werden Chris de Burgh (hm, na ja...) und Heinz Rudolf Kunze (oh ja! oh ja!) dabei sein. Letzteren hätte ich gern gesehen, aber 30 Euro für einen fragwürdigen Holzbanksitz- oder eben Stehplatz sind mir wirklich zu viel. Möglicherweise kaufe ich mir für das Geld zwei gute Flaschen Wein und ein paar Leckereien im „Deli“ und mache es mir mit meinem Liebsten auf dem Bordstein gemütlich. Der ist auch hart, aber gratis. Wer muss schon HRK unbedingt sehen? Musik soll man ja sowieso am besten mit geschlossenen Augen genießen.