Montag, 21. Mai 2007

Dicke Luft?

Zur Zeit haben wir ja zwei heiße Themen, die die Deutschen bewegen. Zum einen den Klimawandel, zum anderen die Fettsucht der Deutschen. Denn angeblich bewegt die Deutschen nämlich nichts – bzw. sie bewegen sich nicht. Galt der Deutsche früher als fleißig und arbeitsam, schlägt jetzt wohl die sprichwörtliche deutsche Gemütlichkeit zurück. Der gemeine Deutsche mausert sich zum Sesselfurzer, wahlweise zur Couchkartoffel. Mit Hilfe von Süßigkeiten, Kartoffelchips und reinem deutschen Bier hat er sich auf den ersten Platz der dicksten Europäer gefuttert. Damit sind wir jetzt genauso fett wie die Amerikaner. Momentan gelten in Deutschland zwei Drittel der Erwachsenen als übergewichtig oder sogar fettleibig. Tatsächlich fallen mir in meinem Freundes- und Bekanntenkreis nur sechs oder sieben Leute ein, die schlank sind bzw. ihr Optimalgewicht halten. Alle anderen haben zu viel Speck auf den Rippen – und ich bilde keine Ausnahme.
Ernährungswissenschaftler warnen vor einer Diabeteswelle und fordern Politiker zum Handeln auf. Eine hilfreiche Maßnahme soll sein, die Mehrwertsteuer für Süßigkeiten von 7 auf 19 Prozent anzuheben. Das schlugen zumindest die Experten von CDU und SPD in ungewöhnlichem Einvernehmen vor: „Die Liste der unterschiedlichen Steuersätze auf Lebensmittel muss dringend komplett überarbeitet werden“, sagte die ernährungspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Ulla Heinen. „Dass auf Naschzeug nur sieben Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden, ist nicht nachvollziehbar.“ Da gebe ich ihr Recht, denn mit dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent sollen ja eigentlich Grundgüter und Produkte, die dem Gemeinwohl dienen, subventioniert werden. Eigentlich ist es wirklich nicht zu verstehen, dass Schokolade und Chips zur Grundversorgung gezählt werden, während Babynahrung, Mineralwasser und Arzneimittel mit 19 Prozent besteuert werden. Die SPD-Gesundheitsexpertin Elvira Drobinski-Weiß erklärte: „Ein ungesundes Essverhalten sollte auch finanziell unattraktiver gestaltet werden. Deswegen sollte für Knabberzeug und Süßigkeiten die volle Mehrwertsteuer gelten.“
An so eine Steuererhöhung traut sich wohl die Bundesregierung nicht so recht heran, wahrscheinlich hat die Ferrero-Lobby was dagegen... Stattdessen will die Regierung der deutschen Fettleibigkeit mit einem Fünf-Punkte-Plan zu Leibe rücken. Hurra und vorwärts zum X. Parteitag! „Zentrales Ziel ist es, bis 2020 das Ernährungs- und Bewegungsverhalten nachhaltig zu verbessern“, heißt es in dem Konzept, das von Ernährungsminister Horst Seehofer (CSU) und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erarbeitet wurde. Da haben sich die beiden ihre Diäten ja mal mit ´nem passenden Thema verdient!
Nächste Woche soll das Konzept im Bundestag vorgestellt werden.
Zum Beispiel will die Bundesregierung den Verbraucher zukünftig besser vor Täuschung und Irreführung schützen, indem die Produktinformationen auf den Lebensmitteletiketten verständlicher und informativer gestaltet werden. Nur zu! Ran an die versteckten Fette und Zuckerzusätze! Und vergesst die Babynahrung nicht – auch wenn die schon mit gesunden 19 Prozent besteuert ist und ungesund bleiben könnte.
Die Regierung will sich außerdem in Zusammenarbeit mit den Ländern, Kommunen und Sportverbänden für mehr Bewegung im Alltag einsetzen. Nötig seien mehr Spielplätze, Fahrradwege und Parks. „Das Wohnumfeld muss so gestaltet sein, dass es genügend Bewegungsanreize schafft“, heißt es in dem Konzept. Ach, ich finde, es würde schon ausreichen, wenn die GEZ die Gebühren von derzeit 7 auf 19 Prozent anhebt, denn der Genuss der Medien gehört zu den subventionierten Grundbedürfnissen, unabhängig von Inhalt oder Qualität. Dabei stellt die Fernsehunterhaltung meist keinen Genuss dar. Ich glaube, der faule Deutsche würde schon rausgehen, wenn das TV-Programm nicht nur noch schlechter (kaum vorstellbar, hm?), sondern auch noch teurer werden würde.Und dann wollen Seehofer und Schmidt die Verpflegung in Kantinen, Krankenhäusern oder Seniorenheimen verbessern, indem als Ersatz für Süßigkeiten, Snacks und Softdrinks eben nur Mineralwasser, Tee, Obst und Gemüse angeboten werden. Ha!! Dann sollten die beiden aber auch dafür sorgen, dass Mineralwasser zukünftig wieder zu den Grundnahrungsmitteln gehört. Wasser und Brot macht Wangen rot... Bleibt am Schluss noch die Frage: wer stopft nach der Verschlankung der Deutschen das politische Sommerloch?