Donnerstag, 24. Mai 2007

Vom Babyboom und dem Nachholebedarf ostdeutscher Frauen.

Aus den Medien, in Form des Lokalsenders und der regionalen Presse, ereilte mich gestern die Meldung, dass in Sachsen-Anhalt ein Babyboom zu verzeichnen ist. Besonders Krankenhäuser in Halle und Magdeburg erleben derzeit diesen Geburten-Boom. Als Hauptgründe nannte der Chefarzt der Geburtshilfe am Perinatalzentrum Halle, Sven Seeger „das Elterngeld, eine gewisse Entspannung am Arbeitsmarkt sowie den Nachholeeffekt der ostdeutschen Frauen“ – im Radio war sogar von NachholeBEDARF die Rede. Hallo?! Was haben wir denn bitteschön nachzuholen?? Wir hatten in der DDR sowohl Kinder als auch die passenden Kinderbetreuungseinrichtungen, ausreichend und bezahlbar! Und FKK-Strände hatten wir auch. Und sogar Sex. Das mag mancher Wessi zwar nicht glauben angesichts solcher neudeutschen Errungenschaften wie dem nach der Wende ins Leben gerufenen „Verkehrsprojekt Deutsche Einheit“ (nach allgemeinem westdeutschen Glauben natürlich nur vom Wessi solifinanziert) – aber doch! wir hatten Sex! Sonst wäre die DDR schon viel früher ausgestorben. Eigentlich waren wir also gar nicht so unfrei, wie wir nach der Wende dachten. Was also haben wir ostdeutschen Frauen nachzuholen? Falls Herr Seeger meinte, dass die Ossi-Frau nach der Wende aufgrund der Jobsituation oftmals mehr ihren Mann im Berufsleben stehen musste als mancher (eventuell sogar arbeitslose) Ehemann und deshalb ihrer wahren mütterlichen Berufung nicht folgen konnte und auf Kinder verzichtete, kann ich nur schreien: „Heilige Eva! Da glaubt tatsächlich wer an dich!“ Die ostdeutsche Frau kann also endlich im trauten Heim ver(lang)weilen, zurückgekehrt an den Herd, das Kinderbett und die Waschmaschine, während sie sich früher durch die Doppelbelastung zweier Jobs quälte – als Erwerbstätige und Mutter – und dabei so scheißgleichberechtigt dem ostdeutschen Manne war! Und damit den Wessi-Frauen überlegen? Haus-und-Heimchen-hoch? Da existieren noch genug innerdeutsche Grenzen, finde ich, nicht nur zwischen Ost und West, sondern auch zwischen Mann und Frau – und die werden von den Medien schön hochgemauert, damit ja nicht zusammen wächst... und auch nichts vernünftiges aufwächst. Das einzige, was ostdeutsche Frauen zur Zeit nachholen, ist das langvermisste Gefühl, von einem kinderfreundlichen Staat unterstützt zu werden. Denn wir hatten ja nichts – davon! in den vergangenen 18 Jahren!
Nachsatz: Auf der Website der regionalen Presse wurde übrigens der Artikel gegenüber der Printausgabe vom Morgen geändert. Mit Stand vom 23.05.07, 20:21h, werden als Hauptgründe für den Babyboom nun genannt: „das Elterngeld, eine optimistische Grundstimmung in der Wirtschaft sowie die Aussicht auf einen Rechtsanspruch beim Krippenplatz.“ Ach... Nachholebedarf doch schon gestillt? Oder nur Aussage gekillt? Haha. Tja, aber auch hier werden die Mütter statt der Babys eingewickelt. Laut dem WDR.DE werden Eltern nämlich auch in Zukunft keinen Krippenplatz für unter Dreijährige einklagen können. Der Gesetzentwurf von Bundesfamilienministerin Renate Schmidt zur Kinderbetreuung sieht zwar vor, dass die Kommunen verpflichtet werden, den Bedarf an Krippenplätzen zu decken und dafür 1,5 Milliarden Euro pro Jahr erhalten, jedoch „war ein einklagbarer Rechtsanspruch nie vorgesehen“, sagt Christine Mühlbach vom Bundesgesundheitsministerium zu WDR.DE. Derzeit ist ein Rechtsanspruch auch gar nicht umsetzbar, weil es einfach nicht ausreichend Krippenplätze gibt, um den Bedarf zu decken. In Westen bestehen nur für 2,7 Prozent der unter Dreijährigen Krippenplätze, im Osten immerhin 37,8 Prozent. Erst ab 2013 sollen Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder unter drei Jahren haben. Tja, das nützt dann den derzeitigen Boombabys auch nichts mehr – die sind dann schon sechs Jahre alt und wahrscheinlich Einzelkinder, weil ihre ostdeutschen Mütter die Nase vom heimeligen Nachholen voll haben und sich wieder beruflich emanzipieren!

Montag, 21. Mai 2007

Heiße Luft?

Auch ein heißes Thema ist ja derzeit die KLIMAKATASTROPHE. Obwohl noch nicht endgültig geklärt ist, was den zu beobachtenden Klimawandel verursacht, wird erst mal pauschal Panik gemacht. Naja, besser spät als nie – und sicher ist sicher ... kann noch einiges für den Schutz der Umwelt getan werden!
Allerdings kommt mir persönlich die Klimaerwärmung sehr entgegen. Ich friere oft, mag keinen Schnee und ertrage Temperaturen über dreißig Grad ganz gern und gut. Womit ich jetzt nicht sagen möchte, daß ich aktiv zu einer wärmeren Welt beitrage, nein nein... Aber ich wollte schon immer am Meer wohnen! Wenn jetzt die Polkappen abschmelzen, stehen meine Chancen auch hier in Mitteldeutschland gar nicht schlecht. Ostseestrand bis an den nördlichen Harzrand... hach ja...
Aber egal ob natürliche Warmzeit oder anthropogener Wetterwechsel - eins finde ich beruhigend: Die nächste Eiszeit erlebe ich nur auf der Zunge.

Dicke Luft?

Zur Zeit haben wir ja zwei heiße Themen, die die Deutschen bewegen. Zum einen den Klimawandel, zum anderen die Fettsucht der Deutschen. Denn angeblich bewegt die Deutschen nämlich nichts – bzw. sie bewegen sich nicht. Galt der Deutsche früher als fleißig und arbeitsam, schlägt jetzt wohl die sprichwörtliche deutsche Gemütlichkeit zurück. Der gemeine Deutsche mausert sich zum Sesselfurzer, wahlweise zur Couchkartoffel. Mit Hilfe von Süßigkeiten, Kartoffelchips und reinem deutschen Bier hat er sich auf den ersten Platz der dicksten Europäer gefuttert. Damit sind wir jetzt genauso fett wie die Amerikaner. Momentan gelten in Deutschland zwei Drittel der Erwachsenen als übergewichtig oder sogar fettleibig. Tatsächlich fallen mir in meinem Freundes- und Bekanntenkreis nur sechs oder sieben Leute ein, die schlank sind bzw. ihr Optimalgewicht halten. Alle anderen haben zu viel Speck auf den Rippen – und ich bilde keine Ausnahme.
Ernährungswissenschaftler warnen vor einer Diabeteswelle und fordern Politiker zum Handeln auf. Eine hilfreiche Maßnahme soll sein, die Mehrwertsteuer für Süßigkeiten von 7 auf 19 Prozent anzuheben. Das schlugen zumindest die Experten von CDU und SPD in ungewöhnlichem Einvernehmen vor: „Die Liste der unterschiedlichen Steuersätze auf Lebensmittel muss dringend komplett überarbeitet werden“, sagte die ernährungspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Ulla Heinen. „Dass auf Naschzeug nur sieben Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden, ist nicht nachvollziehbar.“ Da gebe ich ihr Recht, denn mit dem ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent sollen ja eigentlich Grundgüter und Produkte, die dem Gemeinwohl dienen, subventioniert werden. Eigentlich ist es wirklich nicht zu verstehen, dass Schokolade und Chips zur Grundversorgung gezählt werden, während Babynahrung, Mineralwasser und Arzneimittel mit 19 Prozent besteuert werden. Die SPD-Gesundheitsexpertin Elvira Drobinski-Weiß erklärte: „Ein ungesundes Essverhalten sollte auch finanziell unattraktiver gestaltet werden. Deswegen sollte für Knabberzeug und Süßigkeiten die volle Mehrwertsteuer gelten.“
An so eine Steuererhöhung traut sich wohl die Bundesregierung nicht so recht heran, wahrscheinlich hat die Ferrero-Lobby was dagegen... Stattdessen will die Regierung der deutschen Fettleibigkeit mit einem Fünf-Punkte-Plan zu Leibe rücken. Hurra und vorwärts zum X. Parteitag! „Zentrales Ziel ist es, bis 2020 das Ernährungs- und Bewegungsverhalten nachhaltig zu verbessern“, heißt es in dem Konzept, das von Ernährungsminister Horst Seehofer (CSU) und Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erarbeitet wurde. Da haben sich die beiden ihre Diäten ja mal mit ´nem passenden Thema verdient!
Nächste Woche soll das Konzept im Bundestag vorgestellt werden.
Zum Beispiel will die Bundesregierung den Verbraucher zukünftig besser vor Täuschung und Irreführung schützen, indem die Produktinformationen auf den Lebensmitteletiketten verständlicher und informativer gestaltet werden. Nur zu! Ran an die versteckten Fette und Zuckerzusätze! Und vergesst die Babynahrung nicht – auch wenn die schon mit gesunden 19 Prozent besteuert ist und ungesund bleiben könnte.
Die Regierung will sich außerdem in Zusammenarbeit mit den Ländern, Kommunen und Sportverbänden für mehr Bewegung im Alltag einsetzen. Nötig seien mehr Spielplätze, Fahrradwege und Parks. „Das Wohnumfeld muss so gestaltet sein, dass es genügend Bewegungsanreize schafft“, heißt es in dem Konzept. Ach, ich finde, es würde schon ausreichen, wenn die GEZ die Gebühren von derzeit 7 auf 19 Prozent anhebt, denn der Genuss der Medien gehört zu den subventionierten Grundbedürfnissen, unabhängig von Inhalt oder Qualität. Dabei stellt die Fernsehunterhaltung meist keinen Genuss dar. Ich glaube, der faule Deutsche würde schon rausgehen, wenn das TV-Programm nicht nur noch schlechter (kaum vorstellbar, hm?), sondern auch noch teurer werden würde.Und dann wollen Seehofer und Schmidt die Verpflegung in Kantinen, Krankenhäusern oder Seniorenheimen verbessern, indem als Ersatz für Süßigkeiten, Snacks und Softdrinks eben nur Mineralwasser, Tee, Obst und Gemüse angeboten werden. Ha!! Dann sollten die beiden aber auch dafür sorgen, dass Mineralwasser zukünftig wieder zu den Grundnahrungsmitteln gehört. Wasser und Brot macht Wangen rot... Bleibt am Schluss noch die Frage: wer stopft nach der Verschlankung der Deutschen das politische Sommerloch?

Montag, 14. Mai 2007

Händels Open? Händels Closed!

Seit 1952 finden jedes Jahr im Juni in meiner Wahlheimatstadt die Händelfestspiele statt. Herr G. F. Händel ist bekanntlich hier geboren worden. Seine großen Werke sind fernab von Halle entstanden... Bestandteil der Händelfestspiele sind seit einigen Jahren die sogenannte „Händels Open“ – dort werden Werke von Händel meist unklassisch durch Rockbands, Gospelchöre oder Jazz-Combos interpretiert. Da modern und abwechslungsreich und kostenfrei als eine Art Volksfest gestaltet, erfreuten sich gerade diese Freiluftaufführungen auf dem Marktplatz großer Beliebtheit. Es gab Bier und Biertischgarnituren und buntes Musikvergnügen in der ganzen Innenstadt. Aber die Stadt ist pleite und clever, weshalb sie auf die Idee kam, die „Händels Open“ von Volks- in Kammermusik zu verwandeln – closed handled! Seit zwei-drei Jahren wird also kurzerhand um den unteren Markt der Stadt ein hoher Bauzaun gezogen, der mit Planen verkleidet wird. Innerhalb des umzäunten Bereichs befinden sich die Tribüne für die zahlungsfähige Elite (Karten für Sitzplätze kosten um die 60 Euro) sowie Platz für zahlungswillige Musikbegeisterte mit hartem Hintern oder Stehvermögen (Karten je nach musizierendem Prominenten zwischen 15 und 35 Euro, ein Sitzplatz wird nicht garantiert). Außerdem natürlich die Bühne, die seitlich ebenfalls durch Planen abgeschirmt wird, damit ja kein Außenstehender einen Blick auf die Musiker erhaschen kann (und dennoch steht das Volk zahlreich, um zu lauschen!). Ich find´s heftig! Dieses Jahr werden Chris de Burgh (hm, na ja...) und Heinz Rudolf Kunze (oh ja! oh ja!) dabei sein. Letzteren hätte ich gern gesehen, aber 30 Euro für einen fragwürdigen Holzbanksitz- oder eben Stehplatz sind mir wirklich zu viel. Möglicherweise kaufe ich mir für das Geld zwei gute Flaschen Wein und ein paar Leckereien im „Deli“ und mache es mir mit meinem Liebsten auf dem Bordstein gemütlich. Der ist auch hart, aber gratis. Wer muss schon HRK unbedingt sehen? Musik soll man ja sowieso am besten mit geschlossenen Augen genießen.