Montag, 16. April 2007

Raumordnung - mal anders.

Der Umzug unserer Kreisverwaltung steht an! Rette sich, wer kann - und zwar jeder seine eigene Haut! Und das scheint tatsächlich der Leitsatz der ganzen Aktion zu sein. Die Leserin / der Leser mag sich erinnern: Aufgrund der vom Land verordneten GEBIETSREFORM werden zwei benachbarte Landkreise zu einem Großkreis verschmolzen. Und damit auch beide Verwaltungen zu einer großen (denn entlassen wird ja niemand im öffentlichen Dienst).
Seitdem also feststeht, dass diese Fusion definitiv stattfindet (und zwar schon im Juli 2007!), gibt es in unserem Amt nur noch drei Gesprächsthemen:
1. Wie kommt man am kostengünstigsten in die neue Kreisstadt, und wenn mit dem Auto – wo kann man parken und was kostet das dann?
Das ist ein wichtiges Thema, zugegeben. Auch ich werde mich informieren, was mich der ÖPNV kostet und wann die für mich günstigsten Bahnen fahren oder ob ich bei jemandem mitfahren kann. Aber wie gesagt: Die Fusion findet offiziell im Juli statt. Also habe ich noch viel Zeit für die Viertelstunde Internetrecherche nach dem aktuellen Fahrplan. Und das Monatsticket kann ich ehwieso frühestens am 1.7. kaufen. Für schlappe 57,50 €. Jetzt habe ich doch mal geguckt.
2. Welches Zimmer mit was für einer Wandfarbe kriege ich, wer zieht mit ein (und kann ich den leiden?) und welche Schränke / Tische / Kaffeemaschinen darf / muss man mitnehmen?
Die Zimmerfrage hat uns (mich und meine Kollegin, mit der ich unbedingt zusammenbleiben will, weil was anderes gar nicht funktionieren könnte, schon allein wegen dem Altersunterschied zu den restlichen KollegInnen – von deren mangelhaftem computertechnischen Interesse ganz zu schweigen!) heute zwangsläufig beschäftigt. Da der Juli ja jedes Jahr so überraschend kommt und man schließlich vorbereitet sein will, beorderte uns unsere Chefin in die neue Verwaltung, damit wir dort unser neues Zimmer begutachten und ausmessen. Was soll ich sagen? Wir kriegen das schönste, größte und hellste (im Sommer vermutlich auch heißeste) Zimmer des ganzen Vorschlosses. Tja, jedem, wie er es verdient, oder? Neidvolle Blicke schenkte man uns heute jedenfalls schon mal zur Begrüßung.
Unsere zukünftige Verwaltung ist im Schloss der Stadt untergebracht, welches unterteilt ist in ein prächtiges „Haupt-“ und ein auch noch recht stattliches Vorschloss, die ihrerseits direkt neben dem wirklich eindrucksvollen Dom stehen. Fühlbare Geschichte ringsum. Sogar innerhalb der nüchternen Verwaltungsräume. Denn wie uns heute einer unserer zukünftigen Kollegen erzählte (fürchterlich laut und umständlich, sich dabei stets steifschleimig die Hände reibend und abschließend künstlich-brüllend lachend), war auch zu DDR-Zeiten im Schloss die Kreisverwaltung untergebracht (welche Überraschung) und auch das Wehrkreiskommando. In manchen Gängen soll man noch alte Spinde finden, mit NVA-Emblem auf der grauen Metalltür. Oder Vorhängeschlösser an einigen alten Rohrleitungen, die einfach mit überpinselt worden sind – die wurden von EK´s dorthin gehängt, danach haben sie die Schlüssel weggeworfen, wie es Brauch war. (Das verstehe ich aber nicht: Was machten denn EK´s im Wehrkreiskommando??) Jedenfalls bin ich entschlossen, aus einer für mich unbequemen Situation (statt Gratis-Spaziergang zum / vom Büro ein halbstündiges teures Gezuckel mit der Bahn samt fußläufigem Hin- und Rückweg – also alles in allem ein eine halbe Stunde längerer Arbeitsweg) etwas Angenehmes herauszuholen: die Aussicht auf ein tolles Baudenkmal!
3. Wo und um wieviel Uhr wird in welcher Besetzung gefrühstückt?
Jaaaa, das ist das heißeste Thema! Nicht etwa: „Wer wird zukünftig welche Aufgaben übernehmen?“ oder „Wieviele Dienstautos stehen uns für Dienstfahrten zur Verfügung?“ oder „Ist es gesichert, dass wir alle einen inter- und intranetfähigen Arbeitsplatz zur Verfügung haben werden?“ – Nein! Bisher wurde es nämlich in der alten Kreisverwaltung so gehändelt, dass Punkt halb zehn ein gemeinsames Frühstück eingenommen wurde, und zwar in einem eigens dafür mit einem laaangen Tisch eingerichteten Raum, so dass alle Mitarbeiter daran Platz fanden. Nun wird jedoch dieser Raum als zusätzliches Büro gebraucht. Jetzt grübeln alle Kollegen, wo man einen Tisch für insgesamt 13 Personen (+ Chefin) aufstellen kann für die Frühstücksrunde. Mann. Gibt´s nichts wichtigeres?! Ich sehe mich schon als berühmte 13. (sowieso nicht gern gesehene) Fee zum Frühstück erscheinen, mit funkensprühenden Augen (die meiner harmoniesüchtigen Chefin sprühen höchstens rosarote Sternchen) und gewitterumwölkter Stirn – „Was?! Hier ist kein Platz für mich?! Ich werde euch alle verfluuuuchen! ...“ Aber den Wunsch haben mir die Kollegen sicherlich schon heute angesehen, als ich meinen berühmten genervten Augenroller absolvierte, darauf würde ich wetten.