Mittwoch, 11. April 2007

Nachts um halb vier.

Als ich neulich nachts aus einem Alptraum erwachte, es war morgens gegen halb vier, konnte ich nicht gleich wieder einschlafen. Um mich zu beruhigen und in die Realität zurück zu finden, drehte ich mich auf den Bauch und spähte aus dem Fenster neben meinem Bett hinunter auf die nächtliche Straße. Und da konnte ich etwas komisches beobachten: An der Kreuzung vor meinem Haus hielt ein kleines rotes Auto. Direkt unter der Straßenlaterne. Es hatte drei Bremslichter – das dritte war oben an der Heckklappe – was sehr hübsch aussah. Aus dem Auto stieg eine Frau. Sie war groß, gemessen an ihrem kleinen Auto. Sie blieb in der offenen Fahrertür stehen und sah sich suchend nach allen Seiten um. Sie fand offenbar nicht, wonach sie suchte, denn sie stieg wieder in ihr Auto und fuhr die Straße weiter. Sehr langsam. Dann bremste sie wieder und parkte rückwärts, umständlich und mit drei Versuchen, in eine große Parklücke ein. Sie schaltete Scheinwerfer und Motor ab und stieg wieder aus, nahm einen hellen Beutel (einen Leinenbeutel? eine Plastiktüte?) vom Rücksitz, schloss die Tür ab und ging um das Auto herum auf den Gehweg. Dabei schaltete sie eine Taschenlampe an, die einen recht großen Lichtfleck auf den Boden warf. Aha, dachte ich, sie hatte den Parkplatz nicht gesehen und ist nun auf dem Heimweg. Wo sie wohl herkam, so spät in der Nacht? Die Frau schien älter zu sein, denn sie lief etwas schaukelnd, als ob ihre Hüftgelenke kaputt wären. Ihre Hosen waren etwas zu kurz, das konnte ich sogar von meinem Schlafzimmerfenster aus erkennen. Hochwasserhosen sagt man bei uns dazu. Zielstrebig, aber langsam, ging sie auf den großen freien Platz zu, auf dem früher ein marodes Mietshaus, seit seinem Abriss jedoch wildparkende Autos standen. Das kaputte Haus daneben hatte man stehen gelassen. Ich vermutete, dass die Frau eine Abkürzung über den Dreckparkplatz nehmen wollte. Zu meiner Verwunderung schlich sie jedoch auf die Ruine zu und schlüpfte durch eine Lücke in der Absperrung, die spielende Kinder vor der Gefahr einstürzender Mauern oder so abhalten sollte. Ich war verblüfft. Sie hatte ein hübsches rotes Auto und wohnte in diesem Loch?! Von meiner Wohnung aus kann ich die Fenster des Hauses nicht sehen, ich habe nur die freistehende fensterlose Giebelwand des Hauses im Blick, an die sich früher das jetzt abgerissene Nachbarhaus anlehnte. Aber ich hatte schon einige Male abgerissene Gestalten in leer stehende, kaputte Häuser in meinem Viertel schleichen sehen... Gespannt starrte ich auf den Lichtschein, der jetzt durch den zugewucherten Vorgarten des Hauses zuckte. Er verschwand nicht – und mir dämmerte etwas. Tatsächlich hörte das Zucken auf, und der Strahl der Taschenlampe beleuchtete ruhig und gleichmäßig die Rückseite eines... nein, nicht die eines Frauenkörpers. ;o) Sondern eines Strauches. Die Frau musste die Lampe auf eine Treppenstufe gelegt haben, um ihre Umgebung ein wenig zu erhellen. Vermutlich, damit sie sich nicht auf die Hosenbeine pinkelte. Auch wenn sie zu kurz waren, konnte das in der Dunkelheit leicht passieren. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis die Frau fertig war. Der Druck musste groß gewesen sein. Oder kriegte sie den Reißverschluss nicht auf? Wozu hatte sie eigentlich den Beutel mitgenommen? Klopapier? Unterhaltsame Lektüre? Endlich setzte sich das Licht wieder in Bewegung. Ich sah, wie sich die Frau wieder durch den Gitterzaun zwängte, den Beutel immer noch in der Hand. Sie ging auf ihr Auto zu, schloss auf, verstaute Beutel und Lampe auf dem Rücksitz, setzte sich hinein und fuhr davon. Sicherlich erleichtert. Gute Nacht!