Freitag, 27. April 2007

Kopfgespräche.

Kennt Ihr das? Wenn man sich im Kopf mögliche Dialoge für fiktive Situationen zurechtspinnt? Wie zum Beispiel neulich, als ich auf dem Heimweg war, mit dem Punk-Mädel, das so lustige geringelte Strümpfe zum pinkfarbenen karierten Rock (mit Spitzenunterrock!) trug. An ihrer Tasche baumelte, neben vielen Stickern, ein Mercedes-Stern. Ich fragte sie gedanklich, ob es ihr nicht auch unpassend vorkäme, so ein Statussymbol der Reichen und Möchtegernreichen herumzuschleppen. Es würde doch im krassen Gegensatz zu ihrer offensichtlichen Weltanschauung stehen. Sie begann gerade, mir zu erklären, dass es ja genau darum ginge: Der abgebrochene Mercedes-Stern als Symbol der zerstörbaren Macht des Kapitalismus... als ich durch irgendetwas abgelenkt wurde. Gestern lag das Mädel auf einer Wiese neben meinem Heimweg, aber wir haben das Gespräch nicht fortgesetzt.
Dafür hatte ich heute eine Unterhaltung mit einer meiner Kolleginnen, auch im Kopf. Sie hatte aufgrund technischer Fehlleistungen unseres Servers eine Mail bekommen, die eigentlich an einen Freund gehen sollte. Darin stand mein neuestes Gedicht. Sie hatte es gelesen und meckerte, dass es unrhythmisch klänge. Ich sagte ihr, dass die Metrik nach klassischen Regeln aber stimme. Woher ich das wüsste – sie hätte so was nicht in der Schule gelernt, sagte sie. Ich auch nicht, gab ich zurück, dort lernt man eben nicht alles für´s Leben. Ach ja?, meinte sie, wo denn dann? Und ob ich etwa schon mal etwas veröffentlicht hätte? Ich bejahte, und da war sie still.
Das schöne an Kopfgesprächen ist, dass man selbst nie um Worte verlegen ist. Man sagt alles so eloquent und besonnen und reagiert verständnisvoll und trotzdem konsequent auf die Meinung des Gesprächspartners - und man gewinnt immer! Wenn mir das mal sonst gelingen würde!