Mittwoch, 28. Februar 2007

Telekommunikation.

Gestern Abend klingelte mein Telefon. „Guten Abend, hier ist die Telekom“, säuselte mir eine Männerstimme ins Ohr, „Ich möchte Ihnen gern unser neuestes Angebot ans Herz legen – die Telefon-Flatrate! Wie hoch ist denn Ihre monatliche Telefonrechnung?“ Ich brummte etwas von vierzig Euro, und schon legte er los. „Das passt doch prima! Für unsere Flatrate zahlen Sie monatlich nur fünfunddreißig Euro, und da ist die Grundgebühr schon drin! Sie können quasi am Monatsanfang ein Telefonat beginnen und erst am Monatsende wieder aufhören zu reden, wenn Ihre Zunge das so lange mitmacht, hahaha. Und selbst dann können Sie immer weiterreden, denn Sie zahlen ja nur monatliche Festkosten...“ Ich unterbrach ihn. „Wenn Sie mir für den Preis noch eine DSL-Flat drauflegen, bin ich dabei.“ Er lachte gekünstelt und schwenkte bereitwillig um. „Dann lassen Sie uns doch gleich mal schauen, ob ein DSL-Anschluss bei Ihnen überhaupt möglich ist.“ Ich hörte ihn am PC tippen. „Nnnein“, meinte er dann, „zu Ihrem Anschluss sehe ich hier, dass eine DSL-Fähigkeit momentan nicht geklärt ist.“ – „Was bedeutet das?“, fragte ich. Er zögerte irgendwie. „Naja“, versuchte er dann eine Erklärung, „es kann sein, dass in Ihrer Straße zwar schon die benötigten Leitungen verlegt wurden, dass aber vielleicht die Leistungsfähigkeit der Leitungen nicht reicht, dass da noch eine Art Verstärker zwischengeschaltet werden muss...“ Ich verstand das nicht wirklich und fragte: „Wieso sagen einige Anbieter auf Ihren Websites aber, dass bei mir DSL verfügbar ist, andere schließen es wiederum aus, und wieder andere, so wie Sie, müssen das erst noch klären?“ Irgendwie klang er erleichtert, als er von der Technik zum Vertragswesen umschalten konnte. „Jaaa“, prahlte er, „die Anbieter, die die Verfügbarkeit von DSL anpreisen, wollen damit nur Kunden fangen. Die schließen mit Ihnen erst mal einen Vertrag ab und prüfen erst dann, ob Sie die DSL-Rechte für Ihren Anschluss kriegen können. Und wenn sie das nicht können, dann haben am Ende Sie das Problem, aus dem Vertrag wieder rauszukommen.“ – „Aha.“, sagte ich erst mal und nippte an meinem Rotwein, „Wie kriege ich denn nun aber raus, ob DSL bei mir funktioniert oder nicht?“ – „Na ganz einfach“, prahlte er weiter, „Sie beauftragen uns, einen Service-Techniker vorbei zu schicken, und der prüft speziell Ihren Anschluss auf DSL-Fähigkeit.“ – „Und wenn DSL nicht geht, ist die Prüfung kostenlos?“ – „Selbstverständlich!“ – „Und wenn DSL geht, habe ich automatisch einen Vertrag mit Ihnen abgeschlossen?“ – „Jaaa, so ist es...“ Ich musste langsam grinsen. „Wissen Sie“, sagte ich listig, „ich möchte doch aber erst mal nur herausfinden, ob DSL bei mir überhaupt geht. Für einen Tarif entscheide ich mich dann später.“ Er klang kühl, als er mir empfahl: „Na, dann schauen Sie immer mal auf unsere Website, dort ist ein DSL-Check... So!!“, krähte er dann energisch (und klatschte dabei beinahe in die Hände), „wollen wir dann erst mal den Vertrag für die Telefon-Flatrate abschließen?“ – „Nee“, sagte ich genauso energisch, „das wollen wir nicht. So was will gut überlegt sein.“ – „Okay“, lenkte er ein, „wann kann ich Sie denn dann mal zurückrufen?“ – „Ich möchte mich eigentlich nicht zeitlich unter Druck setzen lassen...“ – „Tue ich doch nicht!“, redete er dazwischen, „deshalb frage ich ja, wann ich Sie zurückrufen kann.“ – „Wissen Sie, eine Telefon-Flat brauche ich eigentlich gar nicht. Meine Telefonrechnung besteht hauptsächlich aus den Kosten für meinen langsamen Internetzugang.“ Jetzt wurde er pampig. „Ich bin davon ausgegangen, dass Sie mir nach Ihren vielen Fragen eine Chance geben, wo ich Ihnen doch so nett alles erklärt und aufgeschlüsselt habe – ich hätte Sie ja auch einfach über den Tisch ziehen können, indem ich behaupte, dass bei Ihnen DSL geht...“ – „Moooment“, unterbrach ich sein konfuses Schimpfen, „Sie unterstellen mir hier eine große Portion Naivität...“ – „Na, Sie werden doch aber zugeben, dass Sie anfangs beinahe der Telefon-Flat zugestimmt haben.“ Ich wurde unlustig. „Also, jetzt nimmt das Gespräch langsam eine Form an, die ich als beleidigend empfinde. Mit Ihnen will ich keinesfalls einen Vertrag abschließen, ich wollte mich nur erst mal informieren.“ – „Dann tun Sie das“, knurrte er fast, „und dann können Sie ja einen T-Punkt-Laden aufsuchen. Schönen Abend noch.“ – „Ebenso!“, flötete ich und war wieder um eine amüsante Erfahrung reicher.