Donnerstag, 15. Februar 2007

Mitten ins Herz – ein Song für dich

Gestern war Ladies Night im Cinemaxx. Also nichts wie hin mit Freundinnen und Kolleginnen! Gezeigt wurde o. g. Film mit Hugh Grant und Drew Barrymore – vor seinem eigentlich Start Anfang März! Das Kino war voll (offenbar hatten viele Männer ihren Frauen die Kinokarten zum Valentinstag offeriert – und deren bester Freundin gleich mit, damit sie nicht selbst mitgehen mussten), also saßen wir in der dritten Reihe und ließen uns von dort keine Einzelheit des Films entgehen.
Den Film werde ich mir sicher noch mal anschauen, schon um meinen Gesamteindruck zu korrigieren. „Music and Lyrics“, wie der Film viel poetischer im Original heißt, vereinte wirklich vieles: Romantik, poppige Musik, geistreichen Witz und (darauf stehe ich!) Ironie. Die Hauptdarsteller agierten gut miteinander, passten auch sehr gut zueinander: beide nicht mehr sooo jung (beinahe altmodisch) und damit perfekt für die Identifikation der „mittelalterlichen“ Zielgruppe, beide entsprechend unverkrampft und erfahren, wenn´s „zur Sache kommen soll“, und beide ohne Neigung zu sinnlosen, teeniehaft albernen Phrasen. Die gab es (als Kontrast) nur bei der neuzeitlichen Pop-Diva (Shanti! Shanti!), und stattdessen bei den beiden Protagonisten geistreiche Dialoge und kleine Sticheleien – wenn auch leider nicht genug. Denn aus irgendwelchen Gründen zogen sich Längen durch den Film. Ich meine nicht die Auftrittsszenen von Grant (die waren grandios! ich bewundere ihn für seinen Mut!), auch nicht die langen Komponierphasen des Duos (lustig untermalt von der Gepardy-Musik – das gehörte eindeutig zum Plot, hätte aber bissiger sein können), sondern diese Nebenhandlung, die die Figur der Barrymore lebendiger machen sollte: Zum einen der unsägliche Blumengießjob samt hypochondrischer Kaktusverletzung. Und zum anderen: wieso muss eine verhinderte Schriftstellerin unbedingt eine Vergangenheit in Form eines indiskreten, schmarotzenden Mäzens besitzen, der dann im Film nicht wirklich eine Rolle spielt (auch nicht bei der Aufarbeitung lang gepflegter Verletzungen im Off)? Jeder, der schreibt, weiß, dass es deprimierend genug ist, nicht gelesen zu werden. Das reicht, um Selbstzweifel zu kriegen. Und das wäre auch das angemessene Pendant zum Anti-Erfolg des veralteten Popstars gewesen. Oder hätte man dann keine äquivalente Szene zu der gefunden, als er heimlich im Bett das Buch über sie las, während sie sein vergeigtes Soloalbum hörte, nur, um sich gegenseitig besser kennen zu lernen? Für mich die rührendste Szene im Film. Echt süß!
Süß war die Barrymore ja auch wirklich, wie sie, wie immer und immer noch mädchenhaft, Herrn Grant anhimmelte. Trotzdem war sie eine ernstzunehmende Partnerin für Grant, was nicht nur ihrer Ernsthaftigkeit und Leidenschaft, sondern auch seiner überzeugenden Jungenhaftigkeit zu verdanken war, die (trotz seiner 46 Lenze) nicht peinlich wirkte. Das wiederum lag an Grants Talent, selbstironisch zu sein. Das kennen wir ja schon, aus „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ zum Beispiel. Aber hier übertraf er sich selbst. Nicht nur, dass er zu seinen Falten stand (aus der dritten Reihe waren die sehr gut zu erkennen!) und diese sogar extra für die Rückblenden wegretuschieren ließ – nein, er fand sich nicht zu erwachsen, um in albernen Eighties-Klamotten und (zu?) engen Hosen wirklich gekonnte Hüftschwünge hinzulegen und sich danach über die resultierenden Wehwehchen lustig zu machen – man konnte sehen, dass er Spaß dabei hatte und man hatte so selbst Spaß daran, einen neuen Hugh Grant zu entdecken. Durchaus sexy. Und er singt sogar selbst!
Sowieso gibt´s ein großes Lob für die Musik! Wer, wie ich, in den 80er Jahren aufgewachsen ist, freut sich sicher über poppige Rhythmen und schmelzende Balladen (der "Mainsong" Way back into love summt heute immer noch in meinem Kopf). Und so banal die meisten Texte auch waren (Pop halt) – ein Text war wirklich originell – Don´t write me off (Zitat): Die Pianoballade mit ihren charmant unbeholfenen Versen ist ein einzigartiges persönliches Statement von Alex: Der Film hat gezeigt, dass er kein großer Dichter ist, und so spiegeln seine mittelmäßigen Formulierungen perfekt wider, dass auch ein unperfekter Dichter einen von Herzen kommenden, gar nicht zynischen Love Song schreiben kann. Es ist kein großartiger Song, aber er ist bedeutend für die Situation, in der der Songwriter die Musik als Spiegel seiner Seele zu nutzen weiß.
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Don’t Write Me Off Just Yet

It’s never been easy for me
To find words that go along with a melody
But this time there’s actually something on my mind
So please forgive these few brief awkward lines

Since I met you my whole life has changed
It’s not just my furniture you’ve re-arranged
I was living in the past but somehow you’ve brought me back
And I haven’t felt like this since before Frankie said relax

And now I know based on my track record
I might not seem like the safest bet
All I’m asking you isDon’t write me off just yet

For years I’ve been telling myself the same old story
That I’m happy to live off my so-called former glories
But you’ve given me a reason to take another chance
Now I need you despite the fact that you’ve killed all my plants

And now I know that i’ve already blown more chances
Than anyone should ever get
All I’m asking you is don’t write me off just yet
Don’t write me off just yet…