Mittwoch, 28. Februar 2007

Telekommunikation.

Gestern Abend klingelte mein Telefon. „Guten Abend, hier ist die Telekom“, säuselte mir eine Männerstimme ins Ohr, „Ich möchte Ihnen gern unser neuestes Angebot ans Herz legen – die Telefon-Flatrate! Wie hoch ist denn Ihre monatliche Telefonrechnung?“ Ich brummte etwas von vierzig Euro, und schon legte er los. „Das passt doch prima! Für unsere Flatrate zahlen Sie monatlich nur fünfunddreißig Euro, und da ist die Grundgebühr schon drin! Sie können quasi am Monatsanfang ein Telefonat beginnen und erst am Monatsende wieder aufhören zu reden, wenn Ihre Zunge das so lange mitmacht, hahaha. Und selbst dann können Sie immer weiterreden, denn Sie zahlen ja nur monatliche Festkosten...“ Ich unterbrach ihn. „Wenn Sie mir für den Preis noch eine DSL-Flat drauflegen, bin ich dabei.“ Er lachte gekünstelt und schwenkte bereitwillig um. „Dann lassen Sie uns doch gleich mal schauen, ob ein DSL-Anschluss bei Ihnen überhaupt möglich ist.“ Ich hörte ihn am PC tippen. „Nnnein“, meinte er dann, „zu Ihrem Anschluss sehe ich hier, dass eine DSL-Fähigkeit momentan nicht geklärt ist.“ – „Was bedeutet das?“, fragte ich. Er zögerte irgendwie. „Naja“, versuchte er dann eine Erklärung, „es kann sein, dass in Ihrer Straße zwar schon die benötigten Leitungen verlegt wurden, dass aber vielleicht die Leistungsfähigkeit der Leitungen nicht reicht, dass da noch eine Art Verstärker zwischengeschaltet werden muss...“ Ich verstand das nicht wirklich und fragte: „Wieso sagen einige Anbieter auf Ihren Websites aber, dass bei mir DSL verfügbar ist, andere schließen es wiederum aus, und wieder andere, so wie Sie, müssen das erst noch klären?“ Irgendwie klang er erleichtert, als er von der Technik zum Vertragswesen umschalten konnte. „Jaaa“, prahlte er, „die Anbieter, die die Verfügbarkeit von DSL anpreisen, wollen damit nur Kunden fangen. Die schließen mit Ihnen erst mal einen Vertrag ab und prüfen erst dann, ob Sie die DSL-Rechte für Ihren Anschluss kriegen können. Und wenn sie das nicht können, dann haben am Ende Sie das Problem, aus dem Vertrag wieder rauszukommen.“ – „Aha.“, sagte ich erst mal und nippte an meinem Rotwein, „Wie kriege ich denn nun aber raus, ob DSL bei mir funktioniert oder nicht?“ – „Na ganz einfach“, prahlte er weiter, „Sie beauftragen uns, einen Service-Techniker vorbei zu schicken, und der prüft speziell Ihren Anschluss auf DSL-Fähigkeit.“ – „Und wenn DSL nicht geht, ist die Prüfung kostenlos?“ – „Selbstverständlich!“ – „Und wenn DSL geht, habe ich automatisch einen Vertrag mit Ihnen abgeschlossen?“ – „Jaaa, so ist es...“ Ich musste langsam grinsen. „Wissen Sie“, sagte ich listig, „ich möchte doch aber erst mal nur herausfinden, ob DSL bei mir überhaupt geht. Für einen Tarif entscheide ich mich dann später.“ Er klang kühl, als er mir empfahl: „Na, dann schauen Sie immer mal auf unsere Website, dort ist ein DSL-Check... So!!“, krähte er dann energisch (und klatschte dabei beinahe in die Hände), „wollen wir dann erst mal den Vertrag für die Telefon-Flatrate abschließen?“ – „Nee“, sagte ich genauso energisch, „das wollen wir nicht. So was will gut überlegt sein.“ – „Okay“, lenkte er ein, „wann kann ich Sie denn dann mal zurückrufen?“ – „Ich möchte mich eigentlich nicht zeitlich unter Druck setzen lassen...“ – „Tue ich doch nicht!“, redete er dazwischen, „deshalb frage ich ja, wann ich Sie zurückrufen kann.“ – „Wissen Sie, eine Telefon-Flat brauche ich eigentlich gar nicht. Meine Telefonrechnung besteht hauptsächlich aus den Kosten für meinen langsamen Internetzugang.“ Jetzt wurde er pampig. „Ich bin davon ausgegangen, dass Sie mir nach Ihren vielen Fragen eine Chance geben, wo ich Ihnen doch so nett alles erklärt und aufgeschlüsselt habe – ich hätte Sie ja auch einfach über den Tisch ziehen können, indem ich behaupte, dass bei Ihnen DSL geht...“ – „Moooment“, unterbrach ich sein konfuses Schimpfen, „Sie unterstellen mir hier eine große Portion Naivität...“ – „Na, Sie werden doch aber zugeben, dass Sie anfangs beinahe der Telefon-Flat zugestimmt haben.“ Ich wurde unlustig. „Also, jetzt nimmt das Gespräch langsam eine Form an, die ich als beleidigend empfinde. Mit Ihnen will ich keinesfalls einen Vertrag abschließen, ich wollte mich nur erst mal informieren.“ – „Dann tun Sie das“, knurrte er fast, „und dann können Sie ja einen T-Punkt-Laden aufsuchen. Schönen Abend noch.“ – „Ebenso!“, flötete ich und war wieder um eine amüsante Erfahrung reicher.

Dienstag, 27. Februar 2007

Ausfluss des Grundsatzes der Einräumigkeit der Verwaltung

Gedanken zum Entwurf eines zweiten Gesetzes zur Änderung des Landesplanungsgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt

Zielsetzung:
Anlass für das Zweite Gesetz zur Änderung des Landesplanungsgesetzes des Landes Sachsen-Anhalt ist die zum 1. Juli 2007 in Kraft tretende Kreisgebietsreform nach dem Gesetz zur Kreisgebietsneuregelung vom 11.11.2005 (GVBl. LSA S. 692), geändert durch § 1 des Gesetzes vom 19.12.2006 (GVBl. LSA S. 544). Der Gebietszuschnitt der fünf Planungsregionen muss den neuen Grenzen der Landkreise und kreisfreien Städte angepasst werden. Dies ist Ausfluss des Grundsatzes der Einräumigkeit der Verwaltung und darüber hinaus auch deshalb erforderlich, weil die Landkreise und die kreisfreien Städte Träger der Regionalplanung für die Planungsregionen sind und diese Aufgabe in Regionalen Planungsgemeinschaften als Zweckverbände erledigen.

Für mich ist Ausfluss etwas unangenehmes, krankhaft-schleimiges, ekliges. So gut es geht, versuche ich, Ausfluss zu vermeiden. Die Regierung (in diesem Fall die unseres Landes) sieht das offenbar anders. Sie geistert ja schon länger durch die Medien – die GEBIETSREFORM! Die Kommunen zittern, die Landkreise jammern, die Planungsregionen versuchen verzweifelt, ihre halbfertigen Regionalpläne zu vollenden, bevor diese mal wieder null und nichtig erklärt werden und von vorne angefangen werden muss. In welcher Besetzung ist nicht klar. Präziser ausgedrückt: in welcher Formation, denn entlassen wird niemand, wir reden vom öffentlichen Dienst... So eine GEBIETSREFORM sieht nicht nur die Zusammenlegung von kleinen, eigenständigen Dörfchen zu Einheitsgemeinden vor, sondern zieht die Umgestaltung ganzer Landkreise nach sich, denn es kann ja nicht sein, dass die Landkreisgrenze mitten durch eine neue Großgemeinde läuft. Die einzelnen Landkreise sollen sich wiederum auch vergrößern, denn wenn es nur noch wenige Kommunen pro Landkreis gibt, braucht man auch nicht mehr so viele Landkreise insgesamt. Die Landkreise haben sich, um auch grenzübergreifend ihre Wirtschaft (ihren Tourismus, ihren Naturschutz) ankurbeln zu können, in Zweckverbänden (sogenannten Planungsgemeinschaften, definiert durch räumlich abgegrenzte Planungsregionen) zusammengeschlossen. Gibt es jetzt aber weniger (dafür aber größere!) Landkreise, müssen auch die Planungsregionen neu eingeteilt werden, denn es kann ja nicht sein, dass die Planungsregionsgrenze mitten durch einen neuen Groß-Landkreis verläuft. Also müssten wohl die Planungsregionen analog auch vergrößert werden, oder? Wenn es aber weniger Planungsregionen gibt (momentan sind es noch fünf in diesem Land), dann könnte man diese doch gleich weglassen... Aber das war ein Vorschlag der PDS, völlig indiskutabel... Der Gesetzgeber sieht lediglich die Bildung von Einheitsgemeinden (auf der Grundlage der Gemeindeordnung des Landes – GO) und Landkreisen (auf der Grundlage des Gesetzes zur Kreisgebietsneuregelung – LKGebNRG) sowie Planungsregionen (auf der Grundlage des Landesplanungsgesetzes – LPlG) vor. Das kostet natürlich was. Der Landkreistag warnt sogar vor Milliardenausgaben. Nun ja, wenn ich mir durch den Kopf gehen lasse, was allein auf den Landkreis zukommen wird... Als erstes müssen natürlich die „Willkommen im historischen Hm-hm-Kreis“-Schilder, die den Reisenden an den Kreisgrenzen immer so freundlich und bunt begrüßen, neu gefertigt werden. Die sind enorm teuer. (Die Kosten könnten minimiert werden, wenn man die alten Schilder versteigern würde; viele Nostalgiker, nicht zuletzt aus der historischen Verwaltung, würden sich gern eins der alten Blechdinger in die Schrankwand stellen.) Autokennzeichen müssen neu erfunden werden. Landkarten müssen neu gezeichnet werden. Ortseingangsschilder müssen neu gemalt werden (vielleicht sogar zweimal, wenn sich die Gemeinden nicht rechtzeitig dazu aufraffen, sich zu vereinheitlichen). Die Kreisverwaltungen müssen den gesamten Kreisbestand an Kreisstraßen, Gebäuden und anderem Grundbesitz sowie an Büroausstattungen (einschließlich Mitarbeitern) inventarisieren. Und da der Grundsatz der Einräumigkeit der Verwaltung gewahrt werden muss, muss natürlich die gesamte Kreisverwaltung in den neuen Verwaltungssitz umziehen. Im Fall „meines“ Kreises zieht ausgerechnet „meine“ Verwaltung in die Kreisstadt des Nachbarkreises, weil die der zukünftige Verwaltungssitz sein wird. Denn „mein“ Kreis hat keine Hauptstadt. Mist. Also werden dort zusätzliche Büros gebraucht (denn entlassen wird niemand, wir reden immer noch vom öffentlichen Dienst), außerdem Archiv-Räume, Möbel, Parkplätze, Computer, das Hausnetz muss erweitert werden... Von den armen Bürgern des Groß-Kreises, die dann immer erst mal eine Stunde fahren müssen, um ihre neuen Autoschilder abzuholen, ganz zu schweigen. Tja, so eine GEBIETSREFORM verändert nur räumlich. Alles fließt, sagt Heraklit. Was für ein Ausfluss, fürwahr...

Mittwoch, 21. Februar 2007

Amadeus

Amadeus, Foto: Opernhaus Halle
Wenn ich es auch erst gestern sah, muss ich doch sagen, dass die Presse das Ballett „Amadeus“ des halleschen Opernhauses zu Recht als „originellsten Beitrag zum Mozart-Gedenkjahr“ feierte. Wie ich es erlebte?
Prolog (1. Bild): Bereits krank sitzt Wolfgang Amadeus Mozart an seinem Billardtisch und komponiert, getrieben vom Druck der Gesellschaft, des Vaters und von sich selbst. Dabei schaut er zurück auf sein Leben, auf die Männer und Frauen, die ihn und sein Werk beeinflusst haben. (Als äußere Attribute seiner Krankheit trägt er, sehr effektvoll, nur Unterkleider und um den Kopf die Bandage, über die dann die Perücke gezogen wird.)
In den folgenden Bildern erzählt das Ballett von Mozarts Auseinandersetzungen mit seinem Vater (in akkurater Strenge, durch die väterliche Liebe und Verzweiflung schimmern), von den ungleichen Schwestern Aloisia (naiv und anständig) und Constanze (leidenschaftlich und verständnisvoll) und seinem Rivalen Salieri (hier mehr wohlwollend-berechnender Mäzen als Feind, der trotz seiner Liebe zur Musik niemals den Bezug zur Wirklichkeit verlieren will)
Der Star des Abends war zweifellos Yann Revazov, der dem jungen Mozart so viel sympathische, lausbübische Lebendigkeit einhauchte, dass man als Zuschauer gar nicht anders konnte, als gebannt und hingerissen auf dieses unperfekte Genie zu starren. Superstar Amadeus – poppig, eitel, unzufrieden und ruhelos. Scheinbar widersprüchlich im Innen und Außen: Seine harmonischen, rein und zart klingenden Kompositionen im Gegensatz zu seinem lauten, unbekümmert-vulgären Auftreten in der Gesellschaft, was letztlich doch nichts anderes war als ein Ausdruck seiner überschäumenden Lebenslust und Leidenschaft. Wundervoll wurde dieser Widerspruch auf der Bühne umgesetzt: Während Mozart sich im Vordergrund (Realität) auf beinahe peinlich drollige Art dem weltlichen Genuss der Liebe hingab, wurden im Hintergrund (Phantasie) durch graziöse, weißgekleidete Tänzer beim Pas de Deux das Ergebnis seiner Inspiration und seine Genialität überhaupt dargestellt. Ich mochte es, wie durch den plump wirkenden Tanz von Mozart und Constanze zum Ausdruck kam, dass auch ein Genie erdverhaftet und mit Alltags- und Beziehungsproblemen geplagt ist.
Bildliche Parallelen zu Milos Formans Film „Amadeus“, wie die Punk-Perücken oder das Komponieren am Billardtisch, waren unverkennbar – aber gerade deshalb konnte man als Zuschauer sofort eintauchen in Mozarts buntes Treiben, als ob man gut bekannt damit wäre.
Farben spielten bei diesem Spektakel eine große Rolle (wie bei den meisten von Rossas Balletten): Die Bühne wurde, wenn es um das höfische Leben ging, in neonfarbenes Licht getaucht (geniale Idee, dafür leuchtende Plexiglas-Säulen mit Rokoko-Kapitellen zu verwenden!), und auch die Tänzer trugen Bollywood-Farben (rot, bordeaux, pink, orange, gold...). Die ernsten Auseinandersetzungen zwischen Leopold Mozart bzw. Salieri und Amadeus sind dagegen (auch Rossa-typisch) sparsam, fast gar nicht koloriert – schwarz wird die Bühne, lediglich Spots folgen den kämpfenden Tänzern, untermalt von den satten düsteren Klängen des „Rockquiems“.
Die verwendete Musik ist genauso bunt wie das ganze Stück: Neben klassischen Originalen (und Collagen aus diesen!) werden moderne Mozart-Adaptionen im Samba- und Pop-Rhythmus und immer wieder das bedrohliche „Rockquiem“ eingespielt.
Mozarts Leben endet auf der Bühne mit den gleichen dramatischen Bildern, mit denen das Ballett begann: Er stirbt am Billardtisch beim Komponieren des Requiems, verzweifelt beweint von Constanze. Schön ist aber, dass damit nicht das Ballett endet. Man lässt Mozart weiterleben; inmitten seiner von ihm geschaffenen Figuren (Papageno, Figaro, der Königin der Nacht...) wirbelt er für immer über die Bühnen und durch unsere Herzen. Hach ja. Ein Stück zum Öftergucken!

Dienstag, 20. Februar 2007

Feuerstätten

Der Landkreis, den ich verwalte, besitzt seit einigen Monaten ein großes neues Krematorium. Es steht, verkehrsgünstig, unweit der Autobahn am Rande eines Gewerbegebiets. Weil ich neugierig bin (und weil ich diese Informationen natürlich für meinen Job brauche!), google ich nach dieser Einrichtung: Tatsächlich, das Krematorium besitzt eine Website!
Auf der Website (ansprechend in flammenden Rot-Orange-Tönen gestaltet) werden viele Fotos des Hauses gezeigt.
Modern ist das Gebäude, fast steril in seiner sachlichen Betonarchitektur. Jedoch wurde es, außen und noch mehr innen, aufwändig mit Wandmalereien und Skulpturen dekoriert. Die sind wirklich kunstvoll und wurden wohl auch von einem Künstler extra angefertigt. Sie thematisieren den Weg eines Verstorbenen ins Jenseits. Sein Reisegefährt ist eine Barke, deren Motiv sich als Relief in Bronzeplatten und als von der Decke hängende, beinahe schwebende Plastik wiederholt. Mythisch-mystisch, aber nicht gruselig – das gefällt mir gut, am liebsten würde ich mir das Gebäude mal live anschauen. Ob man mir das gestattet? Und ob man dort auch bestattet? Man verzeihe mir den Wortwitz – aber hier in der Verwaltung hieß es wirklich, dass zum Firmengelände des Krematoriums auch ein betriebseigener Friedhof gehört. Fotos von diesem finde ich leider nicht. Aber wenn der auch so sachlich gestaltet ist, wie der Hallenbau, passt er sich sicher gut in den Charakter des Gewerbegebiets ein. Warum auch nicht? Totengräber ist auch ein Gewerbe. Lerne ich zumindest von der Website.
Vom Krematorium zum ÄSCHARIUM® – eine Metamorphose der Feuerbestattung“ – ist dort zu lesen – allerdings in einer anderen Formulierung, denn die Firmenbezeichnung sowie auch alle Texte der Homepage sind ausdrücklich urheberrechtlich geschützt – deshalb verbuche ich meine Bezeichnung auch als meine Erfindung und verweise ebenfalls auf´s Urheberrecht und darum sind die hier in Gänsefüßchen eingerahmten Passagen auch keine Zitate, sondern lediglich ein als „wörtliche Rede“ gekennzeichneter Text – „Das ÄSCHARIUM® ist das Signet einer Firmengruppe im Feuerbestattungswesen. Obwohl Feuerbestattungen immer noch zu einem Tabu-Thema gehören, gewinnen sie zunehmend an Bedeutung. Das Anliegen der ÄSCHARIUM®-Gruppe ist, behutsam und transparent über ihre Arbeit zu informieren und dadurch die Scheu gegenüber diesem Thema abzubauen.“ Das finde ich gut, man will ja schließlich Bescheid wissen.
Die ÄSCHARIUM®-Gruppe verfügt derzeit über drei Betriebstätten...“ Feuerstätten, aha, wie kultig... „mit insgesamt sechs Einäscherungslinien...“ Linien?! Ich bin verwirrt über diese Formulierung. Das hört sich so technisch an, nach Fließband oder Fahrplan oder walk the line...
Durch die Vergabe von Chipkarten an Beerdigungsunternehmen können diese jederzeit (auch außerhalb der Geschäftszeit) Einbettungen in unserer Kühleinrichtung vornehmen.“ Ah! Vorratshaltung durch Einkellerung... Das ist wirklich umsichtig und erinnert mich an einen Messebesuch...
Von uns werden sowohl Einzelleistungen als auch der komplette Service, inklusive Überführung, Trauerfeier, Einäscherung und Urnenbeisetzung, offeriert. Das Angebot ist dabei so abwechslungsreich wie die Nachfrage, denn unsere Dienstleistungen orientieren sich an Kundenwünschen...“ Wow. Mich würde wirklich interessieren, bis zu welcher kommerziellen Spaßgrenze die ein individuell gestaltetes Ritual mitmachen würden. Die Fotos der Website zeigen jedenfalls eine Belegschaft, die offenbar, je nach Situation, Montur und Mimik zu wechseln weiß. Denn während auf einigen Bildern eine Reihe schwarz gekleideter, blau beschlipster Männer professionell bedrückt in die Kamera schaut, lachen mich auf anderen fröhliche Menschen in grünen T-Shirts an – Betriebsfeier? Brigadekegeln?
Unsere fachliche Kompetenz lässt uns auch die differenziertesten Wünsche unserer Kunden erfüllen - flexibel, ökonomisch, vertrauenswürdig und zeitnah.“ Boah, „zeitnah“! Trotz Kühlschrank! Fehlen nur noch die Slogans „vorsorglich“, „grundsätzlich“ und „nachhaltig“ – aber deren Einsatz erklärt sich von selbst.
Mehr erfährt man leider auf der Website nicht, dazu müsste man dann wohl doch zu einem persönlichen Termin ins ÄSCHARIUM® fahren. Mich spricht der Internetauftritt der Firma dennoch sehr an und ich bedaure es, meine Beisetzung in solch einem geschmackvollen Ambiente nicht erleben zu können.

Montag, 19. Februar 2007

KLICK KLACK KLOCK

Gestern im Flamenco-Workshop habe ich die Grundbegriffe des Kastagnettenspiels gelernt. Und vom Blatt gespielt! Mir war bisher nicht klar, dass es für Kastagnetten Partituren gibt. (Klar, jetzt leuchtet´s mir schon ein... Kastagnetten sind ja auch Orchesterinstrumente.) Grundsätzlich ist so eine Kastagnetten-Partitur einfach zu lesen.
Statt fünf Notenzeilen gibt es nur zwei (ist ja auch logisch, man hat ja nur zwei Hände und die Dinger können keine Melodie spielen): die obere steht für die rechte Hand (KLICK), die untere für die linke (KLACK). In der Mitte stehende (zusammengeklebte) Noten bedeuten, dass man beide Hände, also auch die Kastagnetten, zusammenschlagen muss – KLOCK. Die Noten sehen so wie auf jeder Partitur aus – Viertel-, Achtel-, Sechzehntelnoten... Man muss „nur“ auf Reihenfolge und Tempo von oben und unten (rechts und links) achten. Einzelnoten werden mit aufeinanderfolgenden Fingern auf der Kastagnette „gepunktet“ (genauso wie man aus Langeweile mit den Fingern den Radetzky-Marsch auf die Tischplatte klopft). Tja, und wenn man dann vom Blatt spielt (zu kindlich-lustiger Klavierbegleitung), hört sich das so an:
KLICK – KLICK – KLICK – KLICK – KLACK KLICKKLICK – KLACK KLICKKLICK – KLACK KLICK KLACK KLICK – KLACK KLOCK KLACK. Nur wie ich das dann irgendwann zusammen mit Fußgeklapper und Händekreisen auf die Reihe bringen soll, ist mir noch unbegreiflich.

Freitag, 16. Februar 2007

Morgens.

Heute morgen konnte ich einen jungen Mann beobachten, der versuchte, seine zwei Kinder in den Kindergarten zu bringen. Seine Tochter (schätzungsweise 5 Jahre alt) hatte dabei die Aufgabe, ihren kleinen Bruder (ca. 3) an der Hand eine Treppe hinunter zu führen. Der Papa kommandierte, sie solle den Kleinen gut festhalten. Als der Junge trotzdem auf die Stufen fiel und das Mädchen ihn nicht festhalten konnte, kriegte es vom Papa eins aufs Hinterteil. Sie brüllte empört: „Ich war doch aber gar nicht schuld!“ Ich musste grinsen, weil die Kleene recht hatte, und stellte mir vor, wie der Papa mich anfährt: „Was?! Wollen Sie mich jetzt runtermachen?!“ – „Nein“, hätte ich sagen können, „niemals würde ich mir anmaßen, Ihre Autorität zu untergraben. Das machen Sie besser alleine.“

Donnerstag, 15. Februar 2007

Mitten ins Herz – ein Song für dich

Gestern war Ladies Night im Cinemaxx. Also nichts wie hin mit Freundinnen und Kolleginnen! Gezeigt wurde o. g. Film mit Hugh Grant und Drew Barrymore – vor seinem eigentlich Start Anfang März! Das Kino war voll (offenbar hatten viele Männer ihren Frauen die Kinokarten zum Valentinstag offeriert – und deren bester Freundin gleich mit, damit sie nicht selbst mitgehen mussten), also saßen wir in der dritten Reihe und ließen uns von dort keine Einzelheit des Films entgehen.
Den Film werde ich mir sicher noch mal anschauen, schon um meinen Gesamteindruck zu korrigieren. „Music and Lyrics“, wie der Film viel poetischer im Original heißt, vereinte wirklich vieles: Romantik, poppige Musik, geistreichen Witz und (darauf stehe ich!) Ironie. Die Hauptdarsteller agierten gut miteinander, passten auch sehr gut zueinander: beide nicht mehr sooo jung (beinahe altmodisch) und damit perfekt für die Identifikation der „mittelalterlichen“ Zielgruppe, beide entsprechend unverkrampft und erfahren, wenn´s „zur Sache kommen soll“, und beide ohne Neigung zu sinnlosen, teeniehaft albernen Phrasen. Die gab es (als Kontrast) nur bei der neuzeitlichen Pop-Diva (Shanti! Shanti!), und stattdessen bei den beiden Protagonisten geistreiche Dialoge und kleine Sticheleien – wenn auch leider nicht genug. Denn aus irgendwelchen Gründen zogen sich Längen durch den Film. Ich meine nicht die Auftrittsszenen von Grant (die waren grandios! ich bewundere ihn für seinen Mut!), auch nicht die langen Komponierphasen des Duos (lustig untermalt von der Gepardy-Musik – das gehörte eindeutig zum Plot, hätte aber bissiger sein können), sondern diese Nebenhandlung, die die Figur der Barrymore lebendiger machen sollte: Zum einen der unsägliche Blumengießjob samt hypochondrischer Kaktusverletzung. Und zum anderen: wieso muss eine verhinderte Schriftstellerin unbedingt eine Vergangenheit in Form eines indiskreten, schmarotzenden Mäzens besitzen, der dann im Film nicht wirklich eine Rolle spielt (auch nicht bei der Aufarbeitung lang gepflegter Verletzungen im Off)? Jeder, der schreibt, weiß, dass es deprimierend genug ist, nicht gelesen zu werden. Das reicht, um Selbstzweifel zu kriegen. Und das wäre auch das angemessene Pendant zum Anti-Erfolg des veralteten Popstars gewesen. Oder hätte man dann keine äquivalente Szene zu der gefunden, als er heimlich im Bett das Buch über sie las, während sie sein vergeigtes Soloalbum hörte, nur, um sich gegenseitig besser kennen zu lernen? Für mich die rührendste Szene im Film. Echt süß!
Süß war die Barrymore ja auch wirklich, wie sie, wie immer und immer noch mädchenhaft, Herrn Grant anhimmelte. Trotzdem war sie eine ernstzunehmende Partnerin für Grant, was nicht nur ihrer Ernsthaftigkeit und Leidenschaft, sondern auch seiner überzeugenden Jungenhaftigkeit zu verdanken war, die (trotz seiner 46 Lenze) nicht peinlich wirkte. Das wiederum lag an Grants Talent, selbstironisch zu sein. Das kennen wir ja schon, aus „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ zum Beispiel. Aber hier übertraf er sich selbst. Nicht nur, dass er zu seinen Falten stand (aus der dritten Reihe waren die sehr gut zu erkennen!) und diese sogar extra für die Rückblenden wegretuschieren ließ – nein, er fand sich nicht zu erwachsen, um in albernen Eighties-Klamotten und (zu?) engen Hosen wirklich gekonnte Hüftschwünge hinzulegen und sich danach über die resultierenden Wehwehchen lustig zu machen – man konnte sehen, dass er Spaß dabei hatte und man hatte so selbst Spaß daran, einen neuen Hugh Grant zu entdecken. Durchaus sexy. Und er singt sogar selbst!
Sowieso gibt´s ein großes Lob für die Musik! Wer, wie ich, in den 80er Jahren aufgewachsen ist, freut sich sicher über poppige Rhythmen und schmelzende Balladen (der "Mainsong" Way back into love summt heute immer noch in meinem Kopf). Und so banal die meisten Texte auch waren (Pop halt) – ein Text war wirklich originell – Don´t write me off (Zitat): Die Pianoballade mit ihren charmant unbeholfenen Versen ist ein einzigartiges persönliches Statement von Alex: Der Film hat gezeigt, dass er kein großer Dichter ist, und so spiegeln seine mittelmäßigen Formulierungen perfekt wider, dass auch ein unperfekter Dichter einen von Herzen kommenden, gar nicht zynischen Love Song schreiben kann. Es ist kein großartiger Song, aber er ist bedeutend für die Situation, in der der Songwriter die Musik als Spiegel seiner Seele zu nutzen weiß.
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Don’t Write Me Off Just Yet

It’s never been easy for me
To find words that go along with a melody
But this time there’s actually something on my mind
So please forgive these few brief awkward lines

Since I met you my whole life has changed
It’s not just my furniture you’ve re-arranged
I was living in the past but somehow you’ve brought me back
And I haven’t felt like this since before Frankie said relax

And now I know based on my track record
I might not seem like the safest bet
All I’m asking you isDon’t write me off just yet

For years I’ve been telling myself the same old story
That I’m happy to live off my so-called former glories
But you’ve given me a reason to take another chance
Now I need you despite the fact that you’ve killed all my plants

And now I know that i’ve already blown more chances
Than anyone should ever get
All I’m asking you is don’t write me off just yet
Don’t write me off just yet…

Donnerstag, 8. Februar 2007

Kinder, Kinder...

Neulich fragte mich eine Kollegin, ob ich "guter Hoffnung" wäre, ich sähe so rosig und zufrieden aus. Mein "nein" ließ ihr Lächeln zerfließen; sie war sichtlich enttäuscht.
Oft (sehr oft!) werde ich gefragt, wann ich denn endlich ein Kind bekommen werde oder ob ich keine Kinder kriegen kann. Oder keine Kinder leiden kann. Dann fühle ich mich im Rechtfertigungszwang. Hiermit erkläre ich mich also – der Gesellschaft und mir selbst.
In irgendeinem Buch las ich mal: „Gelegentlich entscheiden Erwachsene, dass sie noch nicht erwachsen sind, und sie tun Dinge ohne Rücksicht auf die Gefühle anderer.“
Ja, so ist das wohl mit mir. Ich fühle mich nicht erwachsen, und für dieses Gefühl entscheide ich mich bewusst. Ich bevorzuge es, keine Verantwortung gegenüber anderen zu tragen. Und daraus resultiert auch mein Wunsch, kein Kind zu haben. Die Vorstellung, was es bedeutet, ein Kind in sich zu tragen, zu gebären und dann ungefähr 20 Jahre lang aufzuziehen, erschreckte mich schon immer. Ist das egoistisch? Ich denke schon.
Aber anders herum betrachtet: Ist es nicht auch egoistisch, sich ein Kind zu wünschen? Warum wünscht frau sich ein Kind?
Wie sich ein Kinderwunsch anfühlt, der keinen Grund braucht, kann ich mir einfach nicht vorstellen. Aber auch kaum eine Frau kurz vor der Dreißig wird sich deutlich machen: „Ich menstruiere jetzt seit ungefähr 17 Jahren, habe also circa zweihundert potentielle Kinder gemeuchelt und denke, dass ich jetzt einer Eizelle eine Chance auf ihr eigenes Leben geben sollte.“ Schon eher wird sie es für einfach an der Zeit halten, erwachsen zu sein und Verantwortung zu übernehmen. Und dazu gehört mindestens ein Kind. (Die biologische Uhr tickt ja angeblich! Ich fürchte aber, in Wahrheit rasselt der Zeiger der Gesellschaft lauter!)
Oder kann es sein, dass sie es vermisst, ein verantwortungsloses Kind voller Träume zu sein, das sein Leben noch vor sich hat? Dass sie deshalb einen kleinen Spiegel sucht, in dem sie sich wiederzufinden glaubt? Ein kleines Projekt, in dem sie ihre eigenen Träume verwirklichen kann?
Dass Frauen so etwas als Gründe für ihren Kinderwunsch zugeben würden, wenn ich sie fragte, glaube ich nicht. Nicht mal, dass sie sich dessen bewusst sind. Zumindest in meinem Umfeld habe ich beobachtet, dass es überwiegend Frauen sind, die diese Art von Torschlusspanik bekommen. Mit spätestens 28-29 wurden fast alle meine Freundinnen schwanger. Und ich war plötzlich eine Unnormale. Oder zumindest eine Un(ein)geweihte.
Sah ich mir die Männer dazu an, dann bemühten diese sich zwar redlich, Schwangerschaft und Kindbesitz als wunderbaren und erstrebenswerten familiären Zustand zu betrachten, aber ganz verstohlen schienen sie mir überrumpelt auszusehen. Spontan fallen mir nur drei Beispiele ein, bei denen die in einer konstanten Erstfamilie lebenden Männer verzückt von ihren Kindern schwärmen. Und einer davon kriegt regelmäßig von seiner Frau Auszeiten genehmigt, in denen er mit seinen Kumpels losziehen kann. Im umgekehrten Fall fallen mir mindestens fünf Männer (natürlich samt ehemals dazugehörenden Frauen) ein, deren Ersternsthaftbeziehungen trotz Kindern zerbrochen ist.
Stimmte da nun schon vor dem Nachwuchs etwas nicht zwischen beiden Erwachsenen? Und war dann das Kind, wie so oft behauptet wird, ein Versuch, die Beziehung zu kitten? Ich behaupte das nicht – ich spekuliere nur über den Grund des pränatalen Wunsches.
Meine Ergründungsfrage stöberte auch Menschen auf, die sich ein Kind wünschten, um im Alter nicht allein zu sein. Ist das nicht Egoismus pur? Ein Kind gleich mit der Erwartung in die Welt zu setzen, später für seine Erzeuger zu sorgen? In Dankbarkeit für sein Leben (das ja, biologisch betrachtet, nur Zufall ist) eigene Ziele den übertragenen Träumen der Eltern oder zumindest Kompromissen unterzuordnen? Viele werden jetzt sagen: „Bellis, Du bist egoistisch.“ Und meine Mutter würde hinzufügen: „... und undankbar!“ Mag sein.
Manchmal habe ich schon das Gefühl, ohne eigene Kinder etwas zu verpassen: Die Erfahrung, einen kleinen Menschen aufwachsen und sich entwickeln zu sehen. Ihm etwas Wertvolles von meinen Erfahrungen mitgeben zu können. Der Welt etwas zu überlassen, etwas, was von mir überlebt. Das ist doch aber eigentlich schon wieder so ein egoistischer Trugschluss: Dass mein Kind tatsächlich aus meinen Erfahrungen lernen und danach leben würde. Hey, das Kind wäre ein ganz eigenständiger egoistischer Mensch! So etwas darf man einfach nicht vergessen, sonst wiederholt man die Fehler der eigenen Eltern.
Ich glaube, ich wäre eine akzeptable Mutter. Sicher auch manchmal ungeduldig und genervt, klar. Die Mütter, die behaupten, das nie zu sein, lügen! Ich kann es ihnen ansehen.
Sowieso behaupten das auch nur selbsternannte Übermütter, die sich zusammen solche Sendungen, wie „Hurra, wir bekommen ein Baby (zu Hause in der Badewanne, und lad doch die Nachbarn gleich mit ein, es wird sowieso bisschen lauter)!“ oder „Die Super-Nanny (meine würden so was niemals machen!)“ anschauen. Oder die Vergesslichen, deren Kinder schon fast erwachsen sind, und die sich deshalb ekstatisch schreiend auf jedes Babybild stürzen: “Reinbeißen könnte man, in die kleinen Leberwurstbeinchen!“ Lässt man sie, dann machen die das glatt! Fragen diese Frauen sich eigentlich nie, was sie dem Kind damit antun? Denken die nicht an die Spätfolgen, die der Schock über die gekünstelt grinsenden Fremdgebisse dicht über dem eigenen Gesicht, die „Eididuddidududeidei!“-Geräusche und das Kniepen spitznageliger Finger in die eben frisch eingecremten Bäckchen auslösen könnte?
Wahrscheinlich würde ich ganz genau so ein Muttertier werden, die ohne Kind nirgends mehr erscheint – oder zumindest nicht lange bleibt, weil sie niemandem sonst ihr Kind anvertrauen möchte, nicht mal dem Kindsvater. Der wird höchstens schrillschimpfend angewiesen, wie langsam er das Auto zu steuern hat, wenn das Baby on board ist – auch wenn die Kindsmutter selbst die Rallye Dakar gewinnen würde.
Vermutlich wäre ich eine aus der Herde, die beim Brunch mit Freunden den Gesprächspartnern mit ihren verklärten Windelwarentestberichten und unerbetenen Ratschlägen ständig ins Wort fällt. Die hektisch Babyfotos und zufällig in der Handtasche vorhandenes Spielzeug zwischen sorgfältig arrangierten Kaffeetassen verteilt und den dem Kind sorgsam entfernten Popel auf die Untertasse schmiert. Die mit dem Teelöffel in die Marmelade fährt, um dem Baby ein Leckerli zu gönnen, und danach achtlos den besabberten Löffel zurück ins Marmeladenglas stellt. Und die kindgemäße Ermahnungen („Nananawasmachstdudennda- meinkleinessüßesschätzchen!“) von sich gibt und dann gönnerhaft das beschmadderte Baby dem kinderlosen Tischnachbarn auf den Schoß drapiert, um ihn, glücklich ihre wahre Bestimmung ausstrahlend, zu kontaminieren, „damit sie mal eben paar Minuten Zeit für sich selbst auf dem Klo hat, hahaha“.
Eventuell würde ich auch pausenlos meinen Kolleginnen und Freundinnen von den Sorgen, die die Heranwachsenden bereiten, berichten. Wie meine Kollegin, die sich trotz großer Anstrengung immer noch nicht komplett von ihren leider noch nicht ganz selbstständigen Kindern abgenabelt hat. „Stell dir vor“, erzählte sie neulich, als ich gerade hungrig in meine Frühstücksstulle biss, „da holen wir die Große von der Schule ab, um mit ihr einkaufen zu fahren, und da stinkt es schon, als sie ins Auto steigt. ´Ich muss dringend kacken!`, war ihre Erklärung, aber kacken konnte sie natürlich nur zu Hause, also fiel der Einkauf aus...“ Aber wenn sie einmal lächeln, kriegst du alles zurück?
Uff! Nee, so mütterlich möchte ich einfach nicht sein! Natürlich gibt es auch ganz andere Mütter (ich beobachte das erstaunt in meinem Freundeskreis), die das Windeln vorrangig vom Vater erledigen lassen und die ihr Kind mindestens einmal pro Woche bei der Oma / Nachbarin / besten Freundin unterbringen, weil es auf Konzerten und im Freiluftkino nicht mehr die ganze Zeit im Kinderwagen durchschläft. Diese Mütter schaffen es tatsächlich, nicht jede Viertelstunde per Handy nachzufragen, ob auch wirklich alles in Ordnung ist. Aber das sind Ausnahmen. Möglicherweise würde ich dazugehören. Vielleicht aber auch nicht.
Ich bin also ganz bestimmt egoistisch, wenn ich weiterhin die Annehmlichkeiten meines kinderlosen Lebens uneingeschränkt genießen will. Wenn ich mir selbst am wichtigsten bin. Aber wie sollte ich das nicht sein? Ich bin die Einzige, die mich von innen betrachten kann. Die also weiß, was sie sich wünscht und wie sie leben möchte. Alle anderen, selbst die Vertrautesten, können nur raten oder fragen. Und selbst meine Antwort an sie scheint nur unzureichend ausdrücken, was in mir vorgeht. Ich weiß nur eins sicher: ich brauche kein Kind, um selbst eins zu sein.

Das Paar.

Foto: Keystone

Montag, 5. Februar 2007

Sonntagsfilme.

Eigentlich wird ja das TV-Programm immer flacher, achtet man auf die Spots zu großen Events wie Big Brother oder die nächste Chart-Show, die oft länger sind als die gesamte Werbeunterbrechung. Dass aber gerade am Sonntag, als früher immer alte Märchenfilme, beschwingte Hollywoodschinken oder leichte Liebeskomödien gezeigt wurden, jetzt nur noch traurige Filme über vergebliche Lieben kommen, ist wirklich doof. Da sitzt man gemütlich im Pyjama auf der Couch, wühlt sich durch alte Lohnbescheinigungen und durch´s TV-Programm in der Hoffnung, durch einen romantischen Film genug gute Laune zu kriegen, um nebenbei die lästige Steuererklärung zu machen – und was wird gebracht? Herzergreifende Streifen voll überzeugender Gefühle, bei denen man die verheulten Augen nicht abwenden kann, so dass der Papierkram wieder liegen bleibt: Tiger and Dragon mit den hervorragend agierenden Michelle Yeoh (Die Geisha) und Yun-Fat Chow (Anna und der Kaiser) – eine gewaltige Geschichte zweier großer Lieben, die beide tragisch enden. Robin und Marian mit der von mir verehrten Audrey Hepburn und Sir Sean Connery – leider starben auch in diesem Film beide Liebenden, wenigstens im Tod vereint. Und dann noch Sommersby mit Richard Gere und Jodie Foster – aus Liebe lässt er sich hängen, obwohl er´s nicht war... Gute Filme, fürwahr, aber sooo traurig! Für ein sentimentales Gemüt wie mich einfach kein Film für den Sonntag, wenn ich mich einstimmen möchte auf den abendlichen Besuch meines Liebsten. Der trifft mich dann nicht in strahlender Erwartung, sondern mit verquollenem Gesicht an, äußerst bekümmert über so viel Leid. Nein, sonntags möchte ich so etwas nicht sehen. Da möchte ich unterhalten werden von happy-ending Romanzen wie Bridget Jones oder der Fabelhaften Welt der Amelie, von Sinn und Sinnlichkeit oder Auf immer und ewig. Die Dramen würde ich mir lieber für den Alltag aufheben. Aber die sehen dann leider anders aus: Flennende Popstars non-in-spe und die x-te Selbstbeweihräucherung der besten deutschen Comedians. Nur gut, dass ich lesen kann. Muss mir heute mal ´ne Programmzeitschrift kaufen.

Sonntag, 4. Februar 2007

Bücher.

Es war schon immer so: Seit ich lesen kann (und ich lernte es mit 5-6 Jahren), muss ich lesen. Ich lese Querbeet, nach Lust und Laune: Kinderbücher, Frauenromane, Krimis, Historienschinken, Lyrik und Kurzgeschichten... Wenn ich nichts zu lesen habe, weil ich alles, was bei mir herumsteht, schon kenne und gerade nicht in der Stimmung bin, etwas davon noch mal zu lesen (was ich aber oft tue), dann bin ich richtig mies drauf, bin unruhig, unzufrieden, unausgelastet. Dann wühle ich so lange in den Kisten mit Mängelexemplaren, die vor den Buchläden stehen, bis ich etwas entdeckt habe. Denn ich muss Bücher, die mir gefallen, auch besitzen. Das Zurückbringen von entdeckten Schätzen in die Bibliothek kommt nicht in Frage. Meist lohnt sich das Wühlkistenstöbern auch, ich greife selten daneben. Aber es passiert. Das letzte Buch, das mich enttäuscht hat, war ein Krimi aus einem Wühlkistengriff meiner Eltern: Dunkles Geheimnis von Clare Francis. Obwohl die Autorin einen angenehmen Schreibstil hat, bleibt das Buch oberflächlich. Die vielen detaillierten Beschreibung von Telefonrechnungen, Bankauszügen und nebensächlichen Handlungssträngen verwirrten mich ziemlich, und ich vermutete allerhand in alle möglichen Richtungen - das "Mord"motiv war dann wirklich banal. Wie... nur deshalb?! Nach solchen Büchern brauche ich dann immer dringend etwas wirklich spektakulär-spannendes oder geistreich-witziges. Bücher, die für mich zu obengenannten Schätzen gehören, stehen in meiner Amazon-Lieblingsliste und natürlich in meinem Regal. Autoren, deren Sprachgefühl/Geist/Witz (und das der entsprechenden Übersetzer!) ich bewundere und die ich für die Gründlichkeit, mit der sie sich Thematiken widmen, hoch schätze, sind z. B. (die Reihenfolge ist keine Rangfolge): Henning Mankell, Joanne K. Rowling, Peter Robinson, Peter Berling, Dagmar Seifert, Tanja Kinkel, Wolfram Fleischhauer, Kate Christensen, Jonathan Tropper, Ken Follett, Frank Schätzing und viele viele mehr. Von Letztgenanntem lese ich zur Zeit den historischen Kriminalroman „Tod und Teufel“. Es ist mein erstes Buch von Schätzing, und ich kann jetzt schon sagen: Ich mag Schätzings Sprache sehr. Er verzichtet völlig auf altertümlich „geschraubte“ Redewendungen, auf die viele Historien-Romanschreiber aufgrund der „Authentizität“ nicht verzichten wollen, die aber „die Lektyr über all Maß gar unfassbar erschwerlich gestalten“. Und Schätzing verpackt seine Lektionen in alter Geschichte in spannenden Abenteuern, die trockenen Lehrstoff lebendig werden lassen. Ich bin sehr neugierig auf weitere Bücher von ihm. Aber vorher warten noch drei weitere Ermittlungen des britischen Inspectors Alan Banks auf mich. Der Winter kann ruhig noch dauern.