Dienstag, 9. Januar 2007

Wie hilft "Extremwandern" krebskranken Kindern?

Am 3.1.07 fand sich in der Mitteldeutschen Zeitung folgender Beitrag:
Der Leipziger Extremsportler Robby C. ist am Mittwochmorgen zu einem Weltrekordlauf rund um die Welt gestartet. In geplanten 298 Tagen will C. ca. 23.000 Kilometer zu Fuß zurücklegen. In den USA wollen ihn sogar Bruce Springsteen und Jon Bon Jovi ein Stück begleiten. Auf der Strecke werden rund 50 Sportschuhe verschlissen. Das Projekt kostet etwa 400.000 Euro. Erlöse aus Spenden sollen krebskranken Kindern zu Gute kommen.
Hm, dachte ich beim Lesen, 400.000 Euro hätte ich auch gern. Wer hat so viel Geld übrig, dass er einem Wandervogel eine Weltreise bezahlen kann? Würde ich auch nehmen. Zwar wandere ich nicht gern, aber ich bin auf jeden Fall bereit, auf meiner Weltreise eine kleine Spendenbüchse mitzuschleppen. Denn irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass auf der Wanderreise mehr als 400.000 Euro gespendet werden – einen Wanderer bringt man nicht so ohne weiteres mit krebskranken Kindern in Verbindung, wenn er nicht gerade ein Plakat trägt. Auf dem Foto im Web winkt der Typ jedoch lediglich mit einer Deutschlandflagge... Wär´s also nicht sinnvoller / zeitnaher / unmittelbar hilfreicher, die 400.000 Euro (die sicher von nicht ganz uneigennützig werbenden Sport- / Textil- / Arzneimittelfirmen gesponsort werden) direkt an die Kinderkrebshilfe zu spenden? Was für eine Verschwendung von Zeit und Geld...
Gestern stand nun in der Zeitung, dass dem C. am Samstag in Tschechien fast die gesamte Ausrüstung aus einem Begleitfahrzeug gestohlen worden war, darunter auch Spezial­wetter­kleidung, einen Großteil der Laufschuhe sowie atmungsaktive Unterwäsche. Mit dem Diebstahl war ihm nur noch die Kleidung geblieben, die er trug. Sein Team bemüht sich nun um neue Sachen sowie um Ersatz für einen kaputtgegangenen Van und eine Kamera zur Dokumentation der Story.
Hm, überlege ich nun wieder, ist der Werbeeffekt für die Sponsorenfirmen tatsächlich so groß, dass sie anstandslos den Ersatz heranschaffen? Vielleicht, sagt meine Kollegin, boykottiert ja jemand das Unternehmen aufgrund ähnlicher Überlegungen bezüglich Aufwand und Zweck, indem er die Markenschuhe und -klamotten klaut, verscheuert und das Geld an die Kinderkrebshilfe spendet? Naja, das glauben wir nicht wirklich, aber auch diese Lösung erscheint irgendwie effektiver als diese Wanderung...
C. möchte bei seiner Reise auch Spenden für krebskranke Kinder einwerben, steht übrigens diesmal im Text. Das klingt so relativ. Hält sich der bisherige Erfolg in Grenzen? Warum?
Im Jahr 2003 machte C. übrigens mit einem Lauf von Basra nach Bagdad (rund 500 Kilometer) auf die Leiden der irakischen Kinder im Krieg aufmerksam und lief überhaupt noch für viele andere human projects. Grundsätzlich finde ich die Idee schön, durch eine so simple Sache wie das Laufen ferne Orte miteinander zu verbinden und die Menschen hier und dort auf etwas aufmerksam zu machen. Und wenn C. damals seinen Irak-Lauf mit der Kamera begleiten ließ, konnte er die Situation vor Ort erschreckend hautnah wiedergeben. (Ich weiß nicht, ob er das getan hat.)
Nur die Finanzierung lässt mich grübeln... Ich las, dass C. zu einem der Läufe von einem Tourismusverband geworben wurde. Tourismusverbände arbeiten hauptsächlich mit Geldern aus kommunalen Abgaben und mit Fördergeldern, glaube ich mal gehört zu haben. Und so ein Lauf muss organisiert werden – kostet das nicht auch was?
Uns würde nun wirklich interessieren, wie viel Geld durch die Wanderweltreise eingenommen wird, wie das organisiert wird, wer das verwaltet, wo das dokumentiert wird. Vielleicht gibt´s ja eine Website dazu. Oder wir abbonieren eine Sonderbeilage der Tageszeitung mit einem wöchentlichen Rapport. Denn sicher wird die Presse diese Sache genauestens im Auge behalten, wie alles, was zu den eigentlichen Problemen dieser Welt gehört. Wie krebskranke Kinder. Hoffen wir mal.